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Im Machtbereich der Gestapo : Erlebnis-Roman ; der Wirklichkeit nacherzählt / Paul Frenk
Entstehung
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feinen Hände und weiß, dieser Mann hat einst bessere Tage ge­sehen. Und Berger gibt zu, daß er vor einem halben Jahr noch mitten im Glück des Lebens gestanden hat. Klein bittet ihn, seine Geschichte zu erzählen und Berger verspricht ihm, heute abend nach der Arbeit seine Geschichte zu erzählen.

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Ungemein schnell vergeht beiden Inhaftierten dieser Tag. Und als schließlich die ,, Futterluke" in der Türe fällt und mit je einer Schüssel schwarzen Kaffees eine Schnitte Brot hereingereicht wird, geben beide ihrer Freude darüber Ausdruck, daß man endlich einem Menschen berichten könne.

Längst ist das elektrische Licht abgedreht und die dämmerige Birne erloschen, längst liegen Klein und Berger auf ihren Matratzen, als Berger eine Geschichte sein Schicksal- erzählt.

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ZWEITES KAPITEL

Durch die breitangelegten Straßen der verträumten, west­deutschen Kleinstadt, die mit ihren alten, schönen Bauten an eine Zeit soliden Bürgertums und Wohlhabenheit erinnert, flitzt ein helles Sportkabriolett. In schneller Fahrt rollt es über die Brücken des Stadtgrabens und des einst so romantischen Flusses in die sommerliche Landschaft des westdeutschen Landes. Weit und blau wölbt sich der Himmel über die im saftigen Grün stehenden Weiden, auf denen buntgeschecktes Vieh bis zu den Leibern im Futter steht.

Vorbei an Bruchgelände und Waldbestand steuert der Fahrer seinen Wagen, um dann auf schmalem Feldweg in die Heide ein-/ zubiegen, die nun, zu spätsommerlicher Zeit, in ihrem schönsten Schmucke steht. Den Weg verlassend, bahnt sich der gelände­gängige Wagen einen Weg zwischen Wacholdersträuchern und hellgrünem Birkengebüsch in die Einsamkeit des Heidestriches.

Der Motor verstummt und vom Führersitz springt ein junger Mann, Mitte der zwanziger Jahre. Die schlanke, mittelgroße Gestalt ist in Anbetracht der sommerlichen Hitze nur mit einer grauen Flanellhose, weißem Sporthemd und leichten Schuhen be­kleidet, was zu der braunen Farbe der Haut und dem dunklen Typ des Jungen recht gut paßt. Unverkennbar verraten die Züge des Gesichts den Geistesarbeiter. In wenigen Sekunden hat er eine Decke ausgebreitet und dann gibt er die leichte Kleidung

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