machen Sätzchen, die wie Setzlinge sind; da ist kein Satz mehr, der wie ein Baum ist.

Es hat mich sehr bald der Gedanke getroffen und ist nie von mir gegangen, wie wenig ich selber zu meinem Dasein und Sosein beitragen kann, Ich habe daraus den Schluß gezogen, daß es für mich doch viel wichtiger sei, über die Macht nach- zudenken, die mich geschaffen hat und erhält und sicherlich auch in Zukunft so souverän mit mir umgehen kann wie bisher, als über das Wenige, was ich tun kann, oder doch nur soweit, wie jene Macht es von mir verlangt. Keinesfalls darüber hinaus. Damit hängt gewiß zusammen, daß ich von Kindheit an ein kontemplativer Mensch ge- wesen bin.- Was will das viel sagen? Glauben Sie nicht, daß alle Kinder kontemplativ sind; daß eist von einem gewissen Alter ab diese Gabe ver- lorengeht oder verschüttet wird?- Etwasiist daran, gewiß, wiewohl die Begabung in den einzelnen Kindern schon verschieden ist und zum Beispiel beim Spielen die Unterscheidung zwischen prak- tisch und theoretisch, ja kontemplativ, ihr Recht hat.- Da haben Sie wohl recht. Es gibt Staaten, die ihren Haß auf das kontemplative Leben schon in den Spielen zum Ausdruck bringen, die sie den Kindern aufzwingen, indem sie andere, die mehr zur Kontemplation einladen, verbieten.- Aber es gibt Gefahren und Entartungen des kontem- plativen Lebens. Ist es nicht besser, im Realen tätig zu sein, als Märchen zu erfinden oder an- hören zu wollen? Auch das»Grübeln« ist nicht die echte Kontemplation, wahrlich nicht! Meist ist das ein Starren ins Nichts,»er sieht ein Loch in die Welt«. Aber das ist nur das dämonische Ge-

Tag- u. Nachtbücher 14 209