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Tag- und Nachtbücher : 1939 - 1945 / Theodor Haecker ; mit einem Vorwort herausgegeben von Heinrich Wild
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1941

Am 30. Januar 1933 haben wir als Volk die Apostasie erklärt. Seitdem sind wir als Volk auf dem falschen Weg, auf der falschen Seite. Es sind auch heute wenige in diesem Volke, die ahnen, was das heißt: auf dem falschen Wege, auf der falschen Seite zu sein.

Wenn innerhalb einer christlichen Ordnung nur die Deutschen die Engländer in der sogenannten Weltherrschaft ablösen sollten- was läge daran? Es verlohnte sich nicht für einen geistigen Men­schen, Mühe und Arbeit daran zu verschwenden und vieles Nachdenken. Aber nun ist es klar und deutlich eine Sache Christi und des Antichrist.

Der große Dichter ist androgyn, ob er nun in der Hauptsache und als physisch- seelisches Indi­viduum Mann oder Weib ist. Rilke hat die por­tugiesischen Sonette im großen und ganzen gut übersetzt, aber Elisabeth Barrett ist der größere Dichter. Rilke hat manches als Männchen nur weibisch wiedergegeben, was die rückhaltlose Weiblichkeit Elisabeths mit männlichem Geiste gestaltet hat.

Eine Schwierigkeit, die mir seit langem zu schaf­fen macht: ich halte Hilty für einen der auf­richtigsten Menschen und wahrhaftesten Christen der Welt und Cromwell für einen der verlogen­sten Menschen der Weltgeschichte, für einen gro­Ben Heuchler, nicht ohne ihm in manchem natür­lich Selbstbetrug zuzugestehen. Wie ist es mög­

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