er schweigen sollte, als schweigt, wo das Reden am Platze wäre.
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Rhetorische Fragen, die nicht uninteressant sind: kann man sich eine Zusammenkunft zwischen Goethe und Hitler denken? Warum denn nicht? Vielleicht haben wir heute falsche Vorstellungen von jenem! Zeit und Geschichte verklärt.- Das ist so, aber doch nur bis zu einem gewissen Grad. Ein gemeiner Kerl bleibt eben doch ein gemeiner Kerl, und ein Dummkopf ein Dummkopf. Weder Napoleon noch Goethe waren das eine oder das andere.
Das Licht der Zukunft ist nur im Glauben. Wissen ist nur Raten, eines Mannes kaum wert. Vor jeder Generation steht die Zukunft in gleicher Nacht, im gleichen Dunkel. Wer nicht von der Gabe der Propheten bewegt ist, der schweige über Dinge, die über die nächsten hinausgehen. Das Sicherste ist immer, Unglück zu prophezeien, wenigstens auf lange Dauer. Also bei Glück auf die Weise der Mutter Napoleons : pourvu, que ça doure. Nur wer den rechten Glauben hat, hat in diesem Aon die erreichbare, mögliche Sicherheit. Wer den rechten Glauben hat, sage ich, denn wer einen falschen hat, der ist freilich noch viel übler daran, als wer nach der Klugheit der Welt mit Wissenschaft und Wahrscheinlichkeiten rechnet. Der größte Verderber und Verführer der Seelen ist der Erfolg, den kürzere oder längere Zeit oder vielleicht die ganze Zeit für eine oder mehrere Generationen ein falscher Glaube hat. Man kann nicht die Früchte, an denen man den Baum des rechten Glaubens erkennen kann und
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