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Tag- und Nachtbücher : 1939 - 1945 / Theodor Haecker ; mit einem Vorwort herausgegeben von Heinrich Wild
Entstehung
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selber, für» Spreu« gegenüber dem, was Gott ihn, ohne die Methode menschlicher Philosophie, sehen ließ.

Gott ist unbegreiflich. Was in dieser Sekunde einzeln und zusammen im Weltall geschieht wie könnte ein Mensch das einzeln und zusam­men sehen, denken, übersehen und überdenken? Aber schon ist die nächste Sekunde da, und auch vorüber. Für Gott aber ist die Ewigkeit da, vor und nach unermeßlichen Zeiten! Gott ist un­begreiflich.

Im allgemeinen ist der Mensch doch selten in der Stimmung, daß er froh ein ewiges Leben über­haupt wünscht oder wünschen kann. Eine ein­fache Verlängerung des aktuellen Lebens eines Menschen ist entweder fade, also ekelerregend, oder furchtbar und voller Angst.

Dummheit! Dummheit, das ist das Schlagwort, das ich müde vorige Nacht niederschrieb, um nicht zu vergessen, was ich noch niederschreiben wollte. Kann man die Dummheit der Welt vergessen? Wie müde muß ich gewesen sein! Ich wollte aber sagen, daß die größte Klugheit erfolgreicher Her­ren dieser Welt in dem Wissen und Gebrauch von der Dummheit dieser Welt besteht. Die Völ­ker ruunt in servitium[ stürzen in die Sklaverei] durch ihre Dummheit, die ein verworfener In­tellekt nach seinen Begierden zu lenken weiß.

Das Verwirrende für den menschlichen Verstand ist, daß Gott manchmal ganz offenbar, möchte man fast sagen, ganz offensichtlich um kleine in­

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