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Tag- und Nachtbücher : 1939 - 1945 / Theodor Haecker ; mit einem Vorwort herausgegeben von Heinrich Wild
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schen ein zur Sonne Reißendes und ein Nieder­trächtiges ist; daß der vollkommene Mensch Mann und Weib ist; daß der Mensch nur die Schatten der Wahrheit erkennt

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das ist unüber­

troffen und für den Menschen allein vielleicht überhaupt unübertreffbar. Warum sind sie dann aber gefährlich? Weil sie Bilder der Wahrheit sind und nicht: die Wahrheit. Weil sie nur Schat­ten der Wahrheit sind.

Ich möchte kein ewiges Leben haben und führen, in welchem» Angst« wäre. Aber angenommen, es gebe in diesem Leben einen Menschen, der voll­kommen zu jeder Zeit, an jedem Ort ohne Angst ist[ wessen manche schon, auch in der Gegenwart, an hoher Stelle sich gerühmt haben], so möchte ich dieser Mensch nicht sein. Ja, ich hätte»> Angst vor ihm.

Nun hast du etwas nicht getan und nicht gehabt, was nicht zu haben und nicht zu tun du für un­möglich hieltest, und siehe: es war möglich. Of ist die Einbildungskraft die störrischeste Geg­nerin eines besseren Willens.

Wenn nicht von Gott Selber berichtet würde, daß Er am siebenten Tage ruhte und den Men­schen einen Ruhetag in der Woche befohlen hätte, der geistige Mensch könnte leicht sich verleiten, keine Ruhe zu halten, ja, es sich als ein Ver brechen anrechnen, auszuruhen. Gleichzeitig ist ja aber auch gesagt, daß Gott immer wirkt. Also kann vielleicht der Mensch auch in der Ruhe wir ken. Dieses versteht nur der bomo spiritualis.

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