einen Menschen»Geist« sein? Daß seine Gedan- ken einen»Leib« haben, daß sein Leib nicht bloß ein naturfremdes, widerspenstiges, nein, auch nicht bloß ein absolut gehorsames, organisches oder technisches Werkzeug des Geistes sei, son-
dern selber Geist sei als Leib, so daß da immer
wohl eine Unterscheidung ist, aber niemals eine Trennung.
Daß der Gedanke das Wort sucht, ist eine land- läufige Erfahrung, die bald jeder gemacht zu ha- ben meint, dem ein Wort entfallen ist. Natür- lich gibt es das, aber die eigentliche Arbeit des Geistes und übrigens auch seine Abenteuer, seine Eroberungen unbekannten Landes, beginnen doch erst damit, daß ein Wort den Gedanken sucht. Ein Wort ist für einen Gedanken in der Regel sowohl zuviel wie zuwenig. Dadurch bringt es Bewegung in das Denken. Auch der, welcher für einen Gedanken das Wort sucht, kann das rich- tige nur finden durch Reflexion, Rückbringung des Wortes auf den Gedanken und das Denken. Die Wechselwirkung des Denkens und des Sprechens [der Sprache] geschieht unter der Herrschaft des Denkens. Das gedankliche Sein des Menschen ist ein unendlich reicheres Reich als sein sprachliches. Jeder Mensch kann nur den kleinsten Teil seiner Gedanken aussprechen. Dieses gilt absolut, also
für den Wortärmsten wie für den Wortreichsten,
ja gerade dieser wird die Impotenz der Sprache am besten erkennen. Sprache ist Überfluß und Mangel zugleich. Wer dieses weiß und sagen kann, so, daß er im gleichen Atem, wie er ihren Überfluß preist, auch ihren Mangel verrät, WO
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