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Tag- und Nachtbücher : 1939 - 1945 / Theodor Haecker ; mit einem Vorwort herausgegeben von Heinrich Wild
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haben, viel zu lernen und zu wissen, und so wenig damit anzufangen verstehen, während ich manches machen könnte, wenn ich nicht- leider!- so wenig wüßte, so wenig Talent hätte, die Sa­chen, die ich wissen will, zu finden. So würde ich im Augenblick ganz gern wissen, wann eigent­lich zum erstenmal die» Geschichte« als richtende Gottheit angerufen wurde. Seit wann ist das? Es ist zu verstehen, daß den Menschen daran ge­legen sein kann, im Gedenken künftiger Ge­schlechter gute Figur zu machen, aber von da bis zur Ersetzung Gottes, des lebendigen und gerech­ten Richters, durch ein so verdächtiges Abstrak­tum wie die immer parteiische Geschichte, von Menschen geschrieben, ist ein weiter und schwer verständlicher Weg. Wollen die Menschen über­haupt nur noch von Menschen gerichtet werden, selbst dann, wenn sie, wie heute, überhaupt nicht mehr objektiv, wahr und gerecht, nicht mehr sine, sondern cum ira et studio Geschichte schreiben wollen? Ehe es soweit kommen konnte, mußte etwas passiert sein. Was war das? Philologen könnten mir helfen.

Viele Menschen brauchen sehr lange, bis sie das Unwiderrufliche erkennen, und brauchen dann noch einmal sehr lange, bis sie erkennen, daß sie danach handeln müssen, und brauchen, zum drit­tenmal, sehr lange, bis sie danach handeln. Und auch dieses ginge niemals ohne die Hilfe der Gnade.

Wie alles sich zum Ganzen findet und den hier­archischen Kreis vollendet! Was heißt denn für

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