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Tag- und Nachtbücher : 1939 - 1945 / Theodor Haecker ; mit einem Vorwort herausgegeben von Heinrich Wild
Entstehung
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Gründen[ oft aus sehr durchsichtigen Gründen]

nur wünscht, daß es so sei. In diesem Fall ist es nicht seine Einsicht, die ja im Zweifel ist, son­dern seine Absicht und sein Wille, der entscheidet.

Das spernere sperni[ das Verachtet werden ver­achten] ist nur in Gott möglich. Jeder ungetaufte, [ im letzten Sinne] unerlöste Geist ist stolz. Und der feinste Stolz ist in dem Demütigsten. Wer nicht beachtet sein will, will doch, daß dieses be­achtet werde. Da lob ich mir die Politiker, die sind nicht so raffiniert.

Die Natur ist stärker als die Kultur, sobald deren Arbeit nur ein wenig nachläßt. Wie rasch wird aus einem veredelten Rosenstrauch wieder ein wil­der, und wie verwundbar und zerbrechlich ist die Kultur des Menschen selber? Die Politiker dieser Tage übersehen so leichtsinnig gerade das Letz­tere. Der Ruhm, nach dem sie streben, setzt eine Kultur voraus, die sie vernichten. Was ist es dann mit ihrem Ruhm? Ach, wenn sie es ahnten, wie rasch die Menschen sie nicht einmal verachten, sondern einfach vergessen wollen! Sie haben sie satt bis oben.

Ein Politiker dieser Welt, der sein Handwerk versteht, packt den Menschen[ außer bei dem klotzig Materiellen, dessen Herr er ja nicht ab­solut ist] nicht so sehr bei der Ehre, die eine ethische Person voraussetzt, während er ein Mas­senwerkzeug braucht, vielmehr bei der Ehrsucht, die zu den niedrigsten und kindischesten Leiden­schaften gehört. Ein solcher ehrsüchtiger Mensch kann von der wahren Ehre so weit entfernt sein,

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