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Tag- und Nachtbücher : 1939 - 1945 / Theodor Haecker ; mit einem Vorwort herausgegeben von Heinrich Wild
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will in die Hände Gottes fallen, seien sie noch so furchtbar. Jede schwere Krankheit habe ich so aufgefaßt, in den Leiden noch voller Dank. Nur einen halben Tag kostete ich, was es heißt, in die Hände der Menschen zu fallen- am 20. Mai 1933.¹

Hilty meint, eine deutsche Weltherrschaft könnte ihr Recht nur auf die angeborenen Tugenden der Treue und der Reinheit[ er beruft sich auf Taci­ tus ] gründen. Treue und Reinheit 1940! Treue? Wie ist überhaupt noch Treue möglich nach der Apostasie von Christus, außer als Farce und Ka­rikatur, als schauerliche Räuber- und Gangster­treue mit einer magenumdrehenden Romantik. Und Reinheit? In einem Staat, der statt der Ehe die nackte Gestütsmoral proklamiert!

» Wenn die Hottentotten heute christlich würden, so könnten sie doch nicht die deutschen Dome er­bauen«, sagt Herr Rosenberg und hält das für ein Argument für die Rassenlehre und gegen das Christentum. Mein Gott! Diesen Abgrund des Idiotismus hat es in den Jahrtausenden abend­ländischen Lebens noch nicht gegeben. Jawohl, Herr Rosenberg- wir sind einig: die Hottentotten würden keine deutschen Dome bauen, auch keine französischen, die es auch gibt,- gewiß nicht. Nicht einmal die Letten, Herr Rosenberg, könn­ten das: aber auch ein Hottentotte, ja sogar ein Lette könnte heilig und selig werden.

1 An diesem Tag wurde Haecker zum ersten Mal von der Gestapo verhaftet und verhört wegen eines Aufsatzes über das Hakenkreuz, den er im» Brenner« zu veröffentlichen im Begriff stand.

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