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Knast : Schatten und Gestalten einer Leidenszeit / von Johannes Berbig
Entstehung
Seite
268
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Das ist nun, ich will Ihnen in diesem Punkte keinen Rat geben, aber ich glaube, wenn Ihnen von der Gestapo die gleiche Frage vorgelegt wird, empfiehlt sich eine andere Antwort.

Darf ich fragen, welche?

Nun ich kann Ihnen da wirklich keinen Rat geben. Ich würde jedenfalls sagen: Einreihung in das Heer derer, die am Aufbau zerstörter Städte na, und so, Sie wissen schon, und überdies es wird Ihnen ja auch praktisch gar nichts anderes übrigbleiben.

Zum Maurer bin ich zu alt.

Natürlich so wörtlich brauchen Sie das nicht zu neh» men. Wesentlich ist nur, daß Sie einen Ort angeben hm also Berlin und Leipzig etwa, wo man verschwinden kann wies Röhrenwasser, ist der Gestapo , nicht genehm, und eine solche Angabe erschwert die baldige Entlassung. Sie haben in dieser Richtung also noch keinen Plan?

Nein.

Witte erhob sich und streckte mirdie Hand entgegen.

Nun. also, dann leben Sie wohl. Und ich darf wohl annehmen, daß ich Sie als gebessert entlassen kann. Sie haben begriffen, daß Ihre Strafe die notwendige Folge na also, Sie wissen das ja selber sehr gut, und in Ihrem; Führungis- zeugnis steht, ich will Ihnen auch das nicht verschweigen, nur das Beste. Wenn Sie also irgendwo noch kleine Schwierig keiten haben sollten, so sollen Sie wissen, daß dies keinesfalls auf meine Beurteilung Ihrer Führung während Ihrer Strafzeit zurückgeht.

Ich werde das nie annehmen.

Dann also nochmals: Leben Sie wohl!

Als ich Mimra den Verlauf der Abschiedsaudienz besichlätz, meinte er:

Der Schlawiner will sich bei dir ein Alibi verschaffen. Er fühlt mit den Zehenspitzen bereits das Grundeis, mit dem er abgeht. Aber wir werden keinen Finger krumm machen, ihn aus dem kalten Wasser zu ziehen. Er steht nicht auf unserer Liste. Aber er hat immerhin ein Konto, das ihm vor einem Revolutionsgericht ein halbes Dutzend Jahre Zwangsarbeit einbringen wird.

In diesem Punkte hat Mimra freilich. rechtbehalten.

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