also wußte ich genau, daß mein Leidensweg noch über einen steilen Berg führen würde vielleicht auch in jenes Nichts, in das schon so viele vor mir gewandert waren.
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Kurz vor meiner Entlassung aus dem Zuchthause wurde ich
es war an einem Dienstage zur Entgegennahme der üblichen Abschiedsermahnungen dem Direktor vorgeführt. Der vorführende Wachtmeister blieb stramm in der Türe stehen, während ich vor den Schreibtisch des Gewaltigen trat. Witte schien in elegischer Stimmung zu sein. Ein milder Ernst stand in seinen sonst so leeren Zügen...
,, Ich habe beschlossen, Sie schon morgen zu entlassen, obwohl ihre Strafzeit erst am Freitag abläuft. Sie müßten bis zum nächsten Transport sonst abermals eine Woche warten. Leider muß ich Sie davon in Kenntnis setzen, daß Sie mit Ihrer Entlassung aus diesem Hause noch nicht frei sind. Sie werden der Gestapo überstellt zur nochmaligen Ueberprüfung Ihrer Akten. Aber das ist, so hoffe ich, nur eine Formsache, und ich bin der festen Ueberzeugung, daß Sie bald frei sein werden."
,, Das hoffe ich auch, Herr Regierungsrat", antwortete ich mit einem Lächeln, das Witte wohl richtig deutete.
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,, Nun ja ich wünsche Ihnen also, daß es Ihnen gelingen möge, sich möglichst bald wieder in einen bürgerlichen Beruf einzugliedern. Ins Lehramt werden Sie ja kaum wieder zurückkehren können, aber für einen Mann Ihrer Bildung gibt es ja auch an anderer Stelle Möglichkeiten. Haben Sie schon Pläne für Ihre Zukunft?"
,, Nein. Ich werde mich mit solchen Gedanken erst befassen, wenn ich frei bin, und das wird ja immerhin noch eine Weile dauern."
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ich
,, Nun nun Sie sind natürlich über meine Mitteilung zunächst niedergeschlagen, das verstehe ich, aber glaube fest, gerade in Ihrem Falle ist die Rückführung nur eine Formalität. Ich habe alles getan, um- aber davon nachher noch ein Wort. Wohin werden Sie sich wenden, wenn Sie frei sind?"
,, Das weiß ich heute noch nicht."
Witte blickte ein wenig unsicher vor sich hin. Dann sagte er zögernd:
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