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Knast : Schatten und Gestalten einer Leidenszeit / von Johannes Berbig
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Gewiß, aber ich muß darauf aufmerksam machen, bemerkte ich ungerührt.Im. Falle einer Revision

Na laß man, da bin ich ja ooch noch da. Also, was brauchst du dazu?:

Einen Lehrer.

Der Negus blickte nachdenklich'vor sich hin. Auf den Ge danken war er offenbar bisher noch nicht gekommen.

Weißt du einen? fragte er.

Mimra spricht gut englisch.

Der Negus blickte mich verächtlich an.

Mimra? Der Tschech in der Buchbinderei? Der paßt mir nich. Nee, kein Ausländer! Auf die Sorte is kein Verlaß. Kannst du nich selber englisch?

Ich lese es, aber ich spreche es nicht besonders gut. Ein Lehrer muß die Sprache beherrschen, sonst.wird nichts Ge» scheites draus!

Quatsch! Sennewald is kee Dummer. Ich gloobe, er will mich auf den Besen laden, der heimtückische Hund. Tut so, als könnt er nur son bißchen, un mit dem holländischen Pfaffen, da kann er quasseln wie'n Wasserfall.

Sonn bißchen holländisch, Herr Oberwachtmeister! fiel Sennewald schüchtern ein.Bin doch mal dajewesen. Aber zum Englischen, da braucht mann richtigen Lehrer. Hier in der Bir bliothek, dat wäre jerade det Richtige.

Der Negus sinnierte vor sich hin. Dann sagte er mit Würde:

Wenn man was fleißiger jewesen wäre, könnt mans ja selber. Da hätt ich das nich nötig. Also wenn du was da- von weitererzählst, dann bring ich dich um die Ecke! Va stehste?

Durchaus!

Nu horch druff! Ich hab dochn Radio in der Abteilung, un beim Nachtdienst, da kann ich das Ding laufen lassen, wie ich lustig bin. Um zwölfe, da kommen die englischen Nachrichten. Natürlich versteh ich kein Wort.

Wenn Sie den britischen Sender abhören wollen, braus chen Sie doch kein Wort englisch dazu, Herr Oberwacht- meister. Die senden in deutscher Sprache...

Das darf man doch nich abhören, du Knallgurke! Dafür sitzt doch die janze Schwefelbande bei mir oben. Nee, so was macht: Lange nich! Aber wenn jemand englisch versteht und

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