,, Endsieg der gerechten Sache" zu glauben und diesen Glau ben bei jeder sich bietenden Gelegenheit zu betonen. Der Werkmeister übergab mich, rastlose Geschäftigkeit vor schützend, dem Vorarbeiter Willy Damm.
Der wies mir einen Fensterplatz an...
Es ist schwer, das zu beschreiben, was ich empfand, als ich mich schweigend auf den Stuhl unmittelbar vor dem geöffneten Fenster setzte. Zum ersten Male seit Monaten sah ich ein Stück Freiheit. Mein Blick fiel auf den Wipfel eines alten Kirschbaumes im Gefängnisgarten, dessen Zweige eine verfallende Fassade von abscheulichen Mietshäusern verdeckten, so daß man die schütteren Mauern für ein Stück lebendiger Natur halten konnte. Durch die Zweige hindurch konnte man das Firmenschild eines Maßschneiders, eines Herren- und Damenfriseurs, eines Butter- und Käsehändlers lesen, und wenn man sich ein wenig vorbeugte, was übrigens streng verboten war, sah man im Eckhaus gegenüber den Eingang eines Kolonialwarengeschäftes, vor dem eine Litfaßsäule stand. Ein riesiges Propagandaschild mit der Aufforderung zum freiwilligen Eintritt in die Waffen- SS. bedeckte die von mir aus sichtbare Seite. Daneben war noch ein Theaterzettel zu erkennen. Der Rest der weißen Fläche harrte der Margarine, Zigarettenund Waschmittelplakate besserer Zeiten. Seit langer Zeit zum ersten Male wieder saß ich auf einem Stuhle und sah Menschen in Freiheit auf der Straße gehen.
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,, Du kannst erst mal den Lotdraht abrollen auf eine Spule. So hier!" Willi Damm, unser Vorarbeiter, sagte es und machte es mir zugleich vor. Wielange bist du schon im Knast?"
دو
,, Im neunten Monat", antwortete ich. ,, Hast du gemeckert?"
,, Nein
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Spitzelanzeige."
,, Auch gut. Ich bin hier, weil ich 1940 zu einem Kranze für die Beerdigung des Genossen Renner zwei Mark gegeben habe. Frühjahr 41 verhaftet. Die Gestapo hat bei einer Haussuchung die Kranzspenderliste gefunden mit meinem Namen. Seither durch allerhand Knaste gewandert. Zuletzt drei Jahre wegen illegaler Betätigung. Bin bloß noch hier, weil sie einen Vorarbeiter für den Schinderbetrieb brauchen. Mein Junge ist in Rußland gefallen. Drei Monate nach dem Eintreffen der
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