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Knast : Schatten und Gestalten einer Leidenszeit / von Johannes Berbig
Entstehung
Seite
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Nachricht von seinem Heldentode für Großdeutschland hab ich das erst erfahren, weil meine Frau nicht wußte, wo ich war. Wie lange noch? Was denkst du?

Das also war die stereotype Frage, die an jeden ‚Neuen gerichtet wurde.

Kriegsende! sagte ich. Damm lächelte wehmütig.

Das wissen wir auch. Aber wann kommt es?

In dem Augenblicke mischte sich mein Nachbar zur Linken in das geflüsterte Gespräch.

Zu Anfang von September! sagte er.Stepanenko! stellte er sich zugleich mit weltmännischem Neigen des Haupr tes vor.Sie nicht sprechen Russisch?

Nein.

Ischechisch?

Auch nicht.

Englisch , Franzeesisch?

Nur mangelhaft.

Macht nichts. Ich ein wenig deitsch sprechen. Kann mir helfen mit englische oder franzeesische Wort, wenn mir fehlt expression. Sie muß Vertrauen haben. Is diese Sache Deitsche missen in Osten zurickgehen, und Italien ver- stehen Italien ? wird gabitulieren bald.

Wann denn? fragte ich, ein wenig erstaunt über die Sicher heit dieser Prognose..

Ich denken, vierzehn Tag. Ende Monat Juli.

Die Tschechen sind alle Optimisten hier im Knast, mur> melte Willi geringschätzig.Sie glauben alles, was der enge lische Rundfunk bringt.

Und wie erfahren sie das? fragte ich.:

Ja das is nu sone Sache, meinte Willi bedächtig.Die Verbindung mit draußen is da. Außenkommando. Es kommen ja auch mal Angehörige zu Besuch, die unter verabredetem Schlüssel etwas mitteilen. Küche, Arbeiter vom Elbtalwerk. Jede Andeutung wird hier zur Gewißhheit. Die Tschechen glauben, was sie wünschen.

Stepanenko lächelte überlegen. Glauben Sie nicht? Wollen Sie wetten? Zehn Flaschen Sekt. Hier meine Hand.

Habe ich leider nicht.

Macht nichts. Besorge zehn Flaschen Sekt. Besorgen alles.

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