ten Tochter. Nun hatte man ihn, der als Hauptwachtmeister im Zuchthause zu Waldheim Dienst getan hatte, als ‚ersten Hauptwachtmeister‘ ins Mathildengefängnis eingestellt.
Ich erzählte ihm, was ich bisher erlebt hatte.
„Verlieren Sie nur den Mut nicht“, sagte er.„Ich' werde zunächst einmal alles tun, daß Sie aus dieser Wanzenbude herauskommen.“
Wir vereinbarten ferner, daß Else meine Frau sofort benach- richtigen sollte, und Vater Rohde erklärte sich bereit, mir ein paar Kleinigkeiten zur Erleichterung meines Daseins hereinzu- besorgen. Also hatte ich nun auch im Dresdner Knast einen Schutzengel, an den ich mich in verzweifelten Lagen wenden konnte. Dieses Bewußtsein hob meinen Lebensmut bedeutend, und ich sah der weiteren Entwicklung der Dinge gefaßt ent gegen.
Nach einer Woche erlaubte endlich der Staatsanwalt Bük- king vom Oberlandesgericht, daß ich außerhalb der Zelle be> schäftigt werde. So kam ich nach Abteilung I— ‚Elbewerk‘...
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Ich will von dem Tage berichten, an dem ich nach dieser Einzelhaft und hoffnungslosen nächtlichen Kämpfen mit taus senden von hartherizgen Blutsaugern zum ersten Male den Arbeitssaal für den Bau von Elektrogeräten im Untersuchungs- gefängnis betrat.
Der Aufseher, der mich in Empfang nahm, hieß Lange. Er kannte meinen Namen aus Waldheim, wo ich viele Jahre als Direktor der Städtischen Handels» und Gewerbeschule gelebt hatte. Er war damals Aufseher im Zuchthause gewesen. Ich hatte also von der ersten Stunde an auch‘ an ihm eine„Ber ziehung“, und es hatte sich ja schon in Leipzig erwiesen, daß so etwas nicht zu unterschätzen war. Lange war ein gerader Be amter, einer der wenigen, die sich nicht als hohl erwiesen. Vorz teile aus dieser Zufallsbekanntschaft sind mir nie erwachsen. Aber ich blieb verschont von den üblichen Demütigungen, die sonst den politischen Gefangenen von diesen beschränkten Unr tertanen zugefügt wurden.
Lange übergab mich dem Werkmeister, einem nervösen Manne, der seinen Posten in diesem Hause und die damit verbundene Befreiung vom Heeresdienste seiner Parteistellung verdankte und der sich demzufolge verpflichtet fühlte, an den
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