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Knast : Schatten und Gestalten einer Leidenszeit / von Johannes Berbig
Entstehung
Seite
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,, Verdammte Schweinerei!" schreit er und schlägt die Tür wieder zu. Minuten verrinnen. Krolls Wunde blutet heftig, aber nicht in pulsenden Stößen

,, Is es wirklich der Puls? Es blutet nich rasch genug", sagt Kroll verbissen, und dazu massiert er seinen Arm. Schnei der hat eine Waschschüssel mit Wasser auf den Boden der Zelle gesetzt, deren Inhalt sich rasch rot färbt.

,, Natürlich ist es der Puls. Die Wunde muß genäht werden", sage ich tröstend. Dann tut sich die Türe auf, und herein tritt , Doktor Unblutig' der Sanitätswachtmeister des Gefängnisses.

,, So eine Dummheit", sagt er mit vollendeter Ruhe und be trachtet den rohen Schnitt fast zärtlich. ,, Nun kommen Sie mal mit."

Dünnefett steht vor der Zellentür in verhaltener Wut. Daß eine solche Sauerei auch gerade in seiner Belegschaft vorkom­men muß! Womöglich hat er noch Scherereien damit! Als Doktor Unblutig den Verletzten hinausführt, springt er ihm mit einem Panthersatze nach und packt ihn beim Kragen.

, Was soll das heißen?" schreit er in aufbrechendem Zorne. ,, So eine Schweinerei zu machen in der Zelle! Aber jetzt wirst du gefesselt, verdammtes Schwein, und kommst in den Bunker! So ein gottverfluchtes Theater

-

"

Sein Schimpfen verklingt im Gange.

Eine bange halbe Stunde vergeht. Dann kommt Kroll wie­der herein. Sein linker Arm hängt in einer Binde.

,, Merde! Keine Pulsader! Alles ganz umsonst. Von Kranken­haus kein Wort! Merde!"

Er setzt sich mit finsterm Blick in die Ecke. Schweigt. Abermals tut sich die Tür auf. Ein Eimer mit heißem Wasser wird hereingeschoben.

,, Zelle schrubben!" herrscht Dünnefett den Verwundeten an. ,, Aufwischen die Schweinerei! Los!"

Er überwacht die peinliche Arbeit. Kroll markiert eine leichte Schwäche. Aber das macht auf Dünnefett keinen Ein­druck.

,, Bloß kein Theater! Lebhaft!!"

Schneider spült die Schüssel aus; ihm ist übel. Er kann kein Blut sehen.

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