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Knast : Schatten und Gestalten einer Leidenszeit / von Johannes Berbig
Entstehung
Seite
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,, Erst müssen Sie drin sein", bemerkte ich, von der Tüten­arbeit aufblickend.

,, Is schon gemacht. I schneid mir die Pulsader auf!"

Schneider fuhr erschrocken hoch. Sein sanftes Gemüt war auf solche Gewaltsamkeiten nicht eingerichtet.

,, Sakra nom de dieu

-

wo is sie genau?"

Die Frage war an mich gerichtet. Ich nahm die Rederei nicht ernst, ergriff Krolls Hand und legte meinen Zeige­finger auf die Handwurzel seiner Linken.

,, Hier."

,, Bestimmt?"

,, Natürlich. Aber wie wollen Sie das ohne ein scharfes Messer anstellen? Die Ader liegt ziemlich tief. Einem stump­fen Messer weicht sie aus."

,, Lachhaft! Mit an Glasscherben. Hab ihn schon. Ihr denkts wohl, i hab den Mut nit dazu? Merde! Gleich jetzt!"

Ich versuchte, Einspruch gegen diesen Unfug zu erheben. ,, Nix gibts. Wenn's soweit is, da klingeln Sie. Lassen Sie nur ruhig erst ein Weilchen bluten. So a Liter Blut weniger, das macht gar nix aus. Das muß genäht werden. Könnens hier nit machen. Abi! Krankenhaus! Das andere is nachher meine Sorge!"-

Schneider sitzt mit dem Rücken gegen das Fenster und faltet mit nervösen Fingern Tütenpapier. Ich sitze ihm gegenüber und starre mit unbehaglichen Gefühlen in die Helle des Gitter­fensters. Eine Hilflosigkeit ganz eigener Art hat von mir Besitz ergriffen. Dieser Kroll will das Schicksal zwingen durch gröb­lichste Befragung. Auch ein Gedanke. Weit davon entfernt, heroisch oder mythisch zu sein: zweckrational vielmehr; ge­boren aus gemeinster Not, aus dem Zwange zum Handeln. Kroll handelt wie der Schachspieler, der sich in bedrängter Position durch ein Dame- Opfer Luft zu schaffen sucht. Ich höre ihn schwer atmen und leise stöhnen

,, Is es richtig so?"

Ich springe auf. Sehe auf den ersten Blick, daß nur Venen zerschnitten sind. Aber ich sage:

,, Es ist die Pulsader. Ich werde klingeln!"

Ich drücke auf den Knopf neben der Tür. Dünnefett ist auch gleich da. Er übersieht die Lage mit einem Blick.

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