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Aber sonst daß ich nicht den Vergil rette, sondern Tüten klebe, das ist der ganze Unterschied. Im Grunde kein erheb licher, insofern das körperliche Wohlbefinden dabei in Frage steht.
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Abends schreibe ich. Zum Beispiel diesen Brief an dich, den ich du wirst das verstehen natürlich niemals absende. Das gäbe einen schönen Skandal, wenn alles das, was ich hier dem Papier anvertraue, bei der Revision gelesen würde! Ich werde dir also nachher nur das Notwendige über die Wäsche schreiben, die ich brauche, und dich bitten, ja keinen Ver such zu machen, mir auf illegalem Wege da der legale ja versperrt ist etwas zu essen hereinzupaschen. Die Wäsche wird genauestens untersucht gefilzt, wie der Fachausdruck im Sträflingsjargon lautet und wir haben beide nur Ver druß davon.
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Um ein paar Stichworte aus meinem Dasein herauszugreifen: Hunger!
Es gibt früh eine Scheibe Brot mit Rübensaft, Zucker oder Margarine, etwa um sieben Uhr. Halb elf kommt eine Schüssel Mittagessen: Kraut, Kohlrüben, Kartoffeln. Meist wohlschmekkend gekocht, nur eben mit zu viel Wasser! Halb sechs Uhr gibt es abermals eine Scheibe Brot mit Margarine, wie in der Morgenstunde; manchmal auch eine dünne Suppe, und als Zukost einen halben Rettich oder ein wenig rohes Sauerkraut. Die ersten vier Wochen der Untersuchungshaft hält man damit leidlich durch; aber dann spürt man doch, daß Leib und Seele nicht mehr so recht zusammenhalten wollen. Die Zeit zwischen Mittag und Abend wird von drei Uhr ab zu Hungerstunden, und die Gespräche in den Zellen gehen um nichts als ums Essen. Futterneid springt auf. Die Kalefaktoren! Die Schreiber! Die Außenarbeiter! Sie alle haben natürlich mehr zu essen als die Zellengefangenen. Die schmeißen sich mit Pellkartoffeln!' das ist die Wendung, die andeuten soll, daß diese Gefangenen im Wohlleben ersticken. Früher hatten Untersuchungsgefangene das Recht, sich selber zu be köstigen. Das ist vorbei. Wer jetzt in Untersuchung sitzt, wird behandelt, als ob er Strafgefangener sei. Der Herr Ober medizinalrat gestattet günstigsten Falles Stärkungsmittel in Oric ginalpackung mit dem Absendestempel der liefernden Apo
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