Druckschrift 
Knast : Schatten und Gestalten einer Leidenszeit / von Johannes Berbig
Entstehung
Seite
56
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Ich würde gern schriftstellerisch arbeiten.

Nun ja ganz kann ich Sie leider nicht von der Ar beitspflicht des Untersuchungsgefangenen entbinden. Das ist eine Ministerialverordnung. Aber für die Nachmittage kann ich Sie schon freistellen. Ich werde mit dem Tütenmeister spre> chen. Das ist ja ein Mann, der nun, Sie werden das ja auch bald selber merken. Und wenn Ihnen mit einer Lichterlaubnis bis zehn Uhr gedient ist

Das wäre ein großer Gewinn für mich. Die Nächte sind lang.

Er schrieb einen Zettel aus.

Also Licht bis zehn Uhr. Und nun behalten Sie den Kopf oben und verlieren Sie die Nerven nicht. Wenn Sie ein Anliegen haben, kommen Sie zu mir. Ich bin für jeden Ge- fangenen zu jeder Zeit zu sprechen.

. Er reichte mir freundlich die Hand.

Als ich wieder auf dem Gange stand, sagte der Wacht- meister:

Sofort zum Oberinspektor!

Der Oberinspektor war ein grämlicher alter Herr, den die Umgebung, in der er täglich seinen Dienst verrichtete, nicht freundlicher gemacht hatte.

Was wollte denn der Herr Oberregierungsrat von Ihnen? fragte er neugierig.

Nichts Besonderes, antwortete ich diplomatisch.Eine alte Bekanntschaft erneuern. 2

So, so Sie kennen ihn? Schon seit 1911. Ach Sie waren wohl zusammen in Waldheim?

Ja aber nicht als Strafgefangener.

Natürlich hab ich auch gar nicht vermutet. Wenn Sie mal einen Wunsch haben, brauchen Sie sich übrigens nicht gleich an den Herrn Direktor zu wenden. Das kann ich dann. auch machen das heißt, sofern die Hausordnung dies zuläßt. Sie haben ja wohl davon gehört, daß die Bedingungen für Untersuchungsgefangene sich neuerdings wieder verschärft haben.

Ich hörte davon.

So nu melden Sie sich bei Ihrem Belegschaftsführer!