Der Belegschaftswachtmeister, ein kurz angebundener, brummiger Mann, erwartete mich bereits neugierig hinter seinem Schreibtisch auf dem Korridor. Die Fama eines längeren Gespräches eines seiner Gefangenen mit dem Direktor war mir vorausgeeilt.
,, Nun
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was wollte denn der Alte von Ihnen wissen?" ,, Nichts Dienstliches. Wir sind zufällig alte Bekannte. Er hat sich nur von mir erzählen lassen, wie ich in ihre Obhut geraten bin."
,, Hab schon davon gehört. Ja, es geht manchmal sonderbar zu im Leben. Pech gehabt. Na, es geht alles vorbei. Wir haben schon manchen hier gehabt so wie Sie, und sie sind alle wieder draußen. Wenn der Tütenmann nachher kommt, müssen Sie ihm klarmachen, daß Sie zwei linke Hände haben. Na, ich werde ihm schon Bescheid stoßen."
Er ließ mich in die Zelle ein, und ich war wieder allein. Das Klirren des Schlüssels beim Zuschließen hatte, so wollte es mir scheinen, diesmal gar nicht mehr so bösartig geklungen. Welch ein Zufall, daß ich hier und unter diesen Umständen einen Menschen angetroffen hatte, dem ich nicht nur flüchtig bekannt war, der darüber hinaus von einem menschlichen Mitgefühl erfüllt schien denen gegenüber, die ein bösartiges Geschick in sein Haus verweht hatte. Natürlich würde ich mich nie mehr bei ihm melden lassen. Man darf in einer Lage wie der meinen aus seinen Beziehungen keinen Vorteil ziehen wollen. Aber die Lichterlaubnis und die Möglichkeit, an den Nachmittagen für mich zu arbeiten, das war doch bereits ein unerhörter Glücksfall! Den kleinen Kopierstift war ich ja nun losgeworden. Er schlummerte bereits bei den Effekten. Aber der Füllfederhalter in meiner Aktentasche war mir verblieben. Ich legte einen Bogen Papier auf den Tisch und begann, in geruhsamer Stimmung das niederzuschreiben, was ich in diesen Tagen erlebt hatte...
Der Apostel.
Um vier Uhr gab es damals im Gefängnis noch Kaffee. Wenigstens manchmal. Zwei ,, Kalefaktoren"- Strafgefangene mit längerer Strafdauer, die sich des besonderen Wohlwollens
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