„Zu wem?“
„Zum Direktor. Lebhaft!“
Abermals wurde ich über eine Treppe geführt. Ein Wacht» meister stand vor der Tür des Allerheiligsten dieses Hauses.
„Haben Sie sich melden lassen?“
„Nein.“
„Der Herr Direktor hat Sie herbeordert?“
„Ich muß das annehmen.“
„So, so— Sie nehmen das an. Wenn Sie eintreten, neh- men Sie Stellung und melden.“
„Was soll ich melden?“
Der Wachtmeister musterte mich wie ein seltenes Tier.
„Mann! Melden sollen Sie! Wissen Sie nicht, was das heißt?“
„Nein.“
„Zelle?“
„Hunderteins.“
„Also: Untersuchungsgefangener Meier, oder wie Sie sonst heißen, Zelle hunderteins, zur Stelle! Verstanden?“
Ja:
„Jawoll! heißt es hier.“
„Jawoll!“
„Na also— Sie begreifen ja ganz gut. So, nu gehn Sie mal rein.“
Er öffnete die Tür, und ich trat über die Schwelle des mäch» ternen Raumes. Der Direktor blickte vom Schreibtisch auf. Noch ehe ich zur vorschriftsmäßigen Meldung kam, sagte er:
„Bitte, nehmen Sie Platz.“ Dazu wies er mit einladender Geste auf einen Stuhl.„Nun erzählen Sie mal: Weshalb sind Sie eigentlich hier?“
Ich sah die gütigen Augen dieses Mannes und sein von den trüben Erfahrungen eines langen Lebens in diesem Berufe ge> zeichnetes Gesicht, und plötzlich wußte ich: diesem Manne gegenüber darfst du offen sein. Ich erzählte mit kurzen Wow ten mein Erlebnis.
„So, so— und der Mann hat, wie ich übrigens bereits aus den Begleitakten ersehen habe, zugegeben, daß er Sie zu einer belastenden Aeußerung veranlassen wollte?“
la
„So ein Kavalier!“
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