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Knast : Schatten und Gestalten einer Leidenszeit / von Johannes Berbig
Entstehung
Seite
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,, Geben Sie den Stift sofort her!" schrie er zornrot. ,, Er kommt drüben zu den Effekten!"

,, Aber womit soll ich denn diese Vollmacht ausfüllen und unterzeichnen?"

,, Dazu wird Ihnen Tinte und Feder zur Verfügung gestellt!" Er brachte ein Tintenfaẞ herbei und eine altersschwache, spitze Feder, mit der ich jeden Buchstaben einzeln malen mußte.

,, Es muß auch Geld von Verlagen eingehen, sagte ich, ent­schlossen, mir meine Ruhe durch diesen Flegel nicht rau ben zu lassen. ,, Verbrauche alles. Es ist nicht nötig, daß grö Bere Beträge bei der Kasse stehen bleiben. Für den Anwalt ist eine Reserve da."

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,, Ach ja der Anwalt hat mir so bange gemacht. Deine Amtsstellung sei gefährdet, sagt er.. Wenn du verurteilt wirst, dann verlierst du den Anspruch auf Ruhegeld und wirst ent­lassen."

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,, Ich glaube nicht daran, daß man mich verurteilt. Aber natürlich müssen wir auch dieser Möglichkeit ins Auge sehen. Wir werden nicht verhungern. Sorget nicht für euer Leben du kennst das schöne Wort der Mahnung zu einem ge - und wir haben Kinder. Vergiß das ruhigen Leben nicht. Sie werden die Fürsorge, die du ihnen ein langes Leben hast angedeihen lassen, sich nicht in Sorgen eines hilflosen Alters wandeln lassen."

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Meine Frau weinte still in sich hinein. Wir sprachen Worte, die an unser beider Ohr vorüberhallten. Aber wir fühlten un­sere Nähe, und das war für diese schwerste seelische Ber lastung in der langen Zeit meines Gefangenendaseins genug. Dann war plötzlich die Zeit um, die der Herr Staatsanwalt ,, zur Ordnung finanzieller Angelegenheiten" bewilligt hatte. Der Ueberwachungsbeamte steckte mit brüsker Bewegung seine Taschenuhr ein und sagte zu dem wartenden Aufseher:

,, Die Unterredung ist beendet. Führen Sie den Mann wieder in seine Zelle!"

Um die Mittagsstunde tat sich die Zellentür abermals auf. ,, Zum Herrn Oberregierungsrat!" sagte eine Stimme hinter der Tür.

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