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Knast : Schatten und Gestalten einer Leidenszeit / von Johannes Berbig
Entstehung
Seite
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Zwei Begegnungen.

Am nächsten Tage wurde ich abermals ins Gerichtsgebäude geführt. Im Geschäftszimmer des Sondergerichts saß: meine verhärmte Frau. Sie erhob sich wortlos bei meinem Eintritt in den Raum und küßte mich.!

Sie müssen laut reden! sagte der das Gespräch überwa- chende Beamte grob.Ich muß jedes Wort verstehen. Ueber den Fall darf nicht gesprochen werden!

Sorge dich nicht um mich, sagte ich ergriffen,ich bin unschuldig.

Wenn Sie weiter über Ihren Fall reden, breche ich den Besuch ab, griff der Ueberwachungsbeamte abermals ein. Es klang drohend.Es ist Ihnen nicht gestattet

Meine Frau soll wissen, daß ich unschuldig hier festge halten werde, sagte ich erregt.Das ist kein Gespräch über meinen Fall. Ich bitte Sie, das zu begreifen! 5

Der Beamte zog sich mit einem giftigen Blick hinter seinen Schreibtisch zurück und legte seine Taschenuhr vor sich hin.

Eine Viertelstunde hat der Herr Staatsanwalt bewilligt, zur Ordnung finanzieller Angelegenheiten. Nicht eine Minute länger!

Meine Frau hatte gewiß vielerlei fragen wollen; aber jetzt fiel ihr mit einem Male gar nichts mehr ein.

Wenn du Geld brauchst, sagte ich,so geh nur einfach auf die Girokasse. Ich gebe dir eine kleine Bescheinigung mit, daß du zur Abhebung von Geld berechtigt bist.

Ach ja mein Gott, das hätt ich vergessen, und es ist doch die Hauptsache. Du mußt einen Vordruck ausfüllen und unterschreiben fürdiesen Zweck. Hier ist er.

Sie brachte eine grüne Karte aus ihrer Handtasche, und ich füllte sie mit dem Kopierstift aus, den ich in der Westen» tasche bei mir führte..

Wo haben Sie den Stift her? brüllte der Beamte plötzs lich vom Schreibtisch her.Wissen Sie nicht, daß Unter- suchungsgefangene keine Schreibutensilien besitzen dürfen?

Man hat mir den Stift nicht abgenommen, sagte ich. ruhig. Aber meine Ruhe wirkte offenbar aufreizend auf den Mann.

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