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geben, kann zur Waffe gegen Sie werden. Und dann: Nehmen Sie die Sache nicht zu leicht! Das Heimtückegesetz sieht Strafen jeder Höhe vor, gestattet in schweren Fällen die Verhängung der Todesstrafe. Ich will Ihnen gewiß nicht bange machen, nur nehmen Sie die Sache nicht auf die leichte Achsel! Ueber den Fall selbst darf ich mit Ihnen erst spre chen, wenn ich die Verbindung mit dem Staatsanwalt aufgenommen habe. Wahrscheinlich wird Herr Dr. Peter Ihre Sache bearbeiten. Ich spreche öfter einmal bei Ihnen vor, um mich nach Ihren Wünschen zu erkundigen, und damit Sie sich nicht so vereinsamt und verlassen fühlen in Ihrer Haft. Vielleicht kann ich Ihnen auch durch Kleinigkeiten Ihr Los ein wenig erleichtern."
Ob er mir die Raucherlaubnis erwirken könne, fragte ich.
,, Das ist ein Wunsch, den ich leider nicht erfüllen kann. Das Rauchen ist im Untersuchungsgefängnis für Zellenhäftlinge verboten. Aber wenn Sie den Wunsch haben, sich mit etwas Wesentlicherem zu beschäftigen als mit Tütenkleben, kann der Herr Staatsanwalt Ihre Bitte an das Untersuchungsgefängnis weiterleiten. Ihre Erfüllung ist in das Ermessen der Gefängnisleitung gestellt. Nochmals: Wappnen Sie sich mit Geduld!" Er streckte mir die Hand zum Abschiede hin. ,, Am Heiligabend komme ich wieder."
Ich kehrte einigermaßen bedrückt in meine Zelle zurück. Hatte ich nun im Verhör ,, zu viel" gesagt? Nein! Nochmals überdachte ich alle meine Worte.
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Aber, der Eid hat eine so große Kraft', so hat einmal ein erfahrener englischer Richter gesagt, daß durch ihn zuweilen sogar schon die Wahrheit an den Tag gekommen ist. Eine etwas zaghafte Formulierung, wie mir scheint. Ich möchte hin zufügen: An einem Meineid scheitert die Philosophie. Der Richter mutet plötzlich einem Zeugen zu, einem Menschen also, der sein ganzes Leben hindurch gelogen hat, die reine Wahrheit zu sagen. Als die Menschen noch eine sittliche Binwas soll da dung hatten, mocht's noch hingehen; aber jetzt- bei herauskommen? Zum Teufel mit dem Eid! Er ist auf Ehre keine drei Pfennige wert, ist nicht einmal das, notwendige Uebel', als das er gewöhnlich hingestellt wird.
Der Anwalt hat recht, meine Lage ist nicht rosig.
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