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Knast : Schatten und Gestalten einer Leidenszeit / von Johannes Berbig
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Sorte. Der Denunziant ist eben eine allgemein- menschlliche Erscheinung. Wer aber ist schuld an dem Elend, das er über diese Zeit bringt? Ich meine: die Menschen, die sich seiner bedienen, um ihre Zwecke und Ziele zu erreichen! Denken Sie mal darüber eifrig nach, ehe Sie abfällige Urteile an eine vielleicht falsche Adresse verschießen. Im übrigen heben Sie sich Ihre Dialektik auf bis zum Verhandlungstermin. Vielleicht hat der Richter Verwendung für sie. Ich weiß nichts mit ihr anzufangen."

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Ich war entlassen und wurde von dem draußen warten­den Beamten in die Kanzlei geführt.

,, Sie wollen Herrn Dr. Burk sprechen?" fragte der Kanzlei­vorsteher. ,, Er bittet Sie, sich einen Augenblick zu gedulden. Er hat drüben im Zellenhaus noch einen Besuch zu machen, wird aber bald wieder hier sein."

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Der Rechtsanwalt, in feierliches Schwarz gekleidet, begrüßte mich mit gemessener Zurückhaltung.

,, Ich weiß ja noch gar nicht, ob Sie überhaupt einen Rechts­beistand wünschen", sagte er, indem er sich neben mir nieder­ließ ,,, aber Ihre Frau Gemahlin war bei mir und hat mich gebeten, Ihre Interessen zu vertreten. Ich bin grundsätzlich dazu bereit, obwohl na ja, Sie wissen ja selber man geht Strafprozessen dieser Art als Anwalt heutzutage gern aus dem Wege. Viel kann ich im Augenblick für Sie ja nicht tun, und größere Verbindlichkeiten erwachsen Ihnen aus meiner Ver­tretung auch nicht. Wenn Sie also

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,, Ich bin Ihnen zu Dank verbunden, wenn Sie sich meiner hilfreich annehmen wollen. Sie kennen den Fall?"

Er winkte lebhaft ab.

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,, Ich weiß gar nichts und ich darf zunächst auch nichts wissen. Einblick in die Akten erhalte ich erst, wenn der Staatsanwalt Anklage erhebt. Bis dahin wappnen Sie sich mit Geduld! Ueber das Tempo, in dem das gegen Sie schwe­bende Untersuchungsverfahren läuft, kann niemand etwas voraussagen. Nur das eine möchte ich Ihnen ans Herz legen: Sprechen Sie nicht viel! Jedes Wort, das Sie zu Protokoll