,, Du warst beim Bücherabholen? Was wird eigentlich mit den Büchern?
Er berichtete:
,, Was die Gestapo beschlagnahmt, das sortieren wir so ein bißchen. Gegen Abend kommt dann einer von der Auenstraße, Koop heißt er, und das is ein ganz gemeiner Hund, der sucht sich die besten Sachen raus und verschaufelt sie an die Leipziger Antiquare. Da neulich hatten wir mal eine ganze Bibliothek von einem Juden in der Lortzingstraße, alles in Leder gebunden. Feine Sachen. Die Antiquare zahlen mit Zigaretten. Wer da Bescheid weiß, der kann sich am nächsten Wir Tage sein Eigentum zurückkaufen. Gar nicht teuer können übrigens jetzt ganz in Ruhe rauchen. Der Schneider bleibt noch eine ganze Weile weg. Seine Martha hat doch sicher was zu essen mitgebracht, und das muß er gleich unten aufessen. Und natürlich Zigaretten, da stehen doch die Kame raden drumrum, die mit zulangen. Du verstehst das nicht, wirst es noch lernen."
,, Ist das drüben im Untersuchungsgefängnis auch so?"
,, Weiß nich. War noch nich drüben. Es soll dort ordentlicher zugehen. Aber- hohl sind sie ja heutzutage alle!"
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Richter drückte den Rest einer zweiten Zigarette aus und wickelte die Kippe sorgfältig in ein Papier. Draußen schlug eine Uhr zehn langsame Schläge.
Endlich kam Stets in die Zelle zurück. Er drückte mir ein Stück Schokolade in die Hand und gab Richter einen Apfel. Dann zog er sich schweigend den Rock aus, legte sich in sein Feldbett, zog die Decke übers Gesicht und weinte herz brechend in sich hinein...
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Empfang in der Elisenburg.
Am nächsten Tage früh wurde ich wieder in die Verneh mungszelle geführt und mußte zunächst einmal warten. Auf die Herausgabe meiner Hosenträger nämlich. Dann wurde ich in ein schmales Geschäftszimmer geholt, wo ich meinen Namen unter das Verzeichnis meiner Wertgegenstände schreiben mußte. Auch ein Mittagessen gab es in aller Eile noch:
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