,, Stets!"
Der Schneider sprang auf und verschwand.
,, Das war der Alte", sagte Richter. ,, Nun kommt keiner mehr. Jetzt können wir ein Stäbchen stoßen. Seine Martha is gekommen."
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Richter sog ein paar hastige Züge in die Lunge und blies den Rauch zum offenen Fenster hinaus. ,, Du denkst wirklich, du kommst morgen in Untersuchung?" fragte er. ,, Das wäre was, was man hier noch nich erlebt hat. Unter sechs, acht Wochen läßt die Stapo sonst keinen los. Woher kennst du den Mann von drüben?"
Ich erklärte kurz den Zusammenhang.
,, Ja, das hat mir mal einer von drüben erzählt", bemerkite der Hilfspolizist nachdenklich; ,, er hat eine Studentin geheiratet, die war lange krank. Sie hat's mit der Lunge gehabt. Aber jetzt soll sie ganz gesund sein. Früher war er bei der Studentenhilfe, nachher is er zur SS. gekommen. Man hört nichts Schlechtes über ihn. Geprügelt wird drüben natürlich auch feste, aber da kann der Mann nichts gegen machen, selbst wenn er wollte. Die kriegen ihre Anweisungen vom Reichssicherheitsamt in Berlin , und da sitzen scharfe Hunde, das kannst du glauben. Wenn da einer das Protokoll nich unterschreiben will na, bei dir is ja alles ganz glatt gegangen. Wie gesagt, man hört nichts Schlechtes über den Doktor."
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,, Ein Mann, der über Klopstocks Odensprache promoviert hat
"
,, Was hat er?"
,, Ueber Klopstocks Gedichte hat er was geschrieben." ,, Kenn' ich nich. Ich lese überhaupt nich gern Gedichte. Auch die Gedichte in der Zeitung les' ich nich. Alles überkandideltes Zeug. Am liebsten les' ich Kriminalgeschichten. Aber in unserer Leihbibliothek sind jetzt die meisten Kriminal romane abgeholt worden. Ich bin mit dabei gewesen. Schade Da waren so hübsche Sachen dabei von Wallazee oder wie er sich ausspricht. Ein Roman hieß: ‚ Der Frosch mit der Maske.' Der war spannend, sag ich dir. Den hab ich in einer Nacht durchgeschwartet."
Menschliche Neugier erwachte in mir.
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