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Knast : Schatten und Gestalten einer Leidenszeit / von Johannes Berbig
Entstehung
Seite
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Sie, Herr Fink, haben durchblicken lassen, daß Sie bereits fest entschlossen waren, mich bei der Polizei anzuzeigen, als ich das Gespräch über dieses gefährliche Thema abbrach. Ihre Versicherung: ‚Mir können Sie alles sagen, ich bin kein Spion oder Spitzel, war also bereits eine bewußte Lüge, um mich zu irgendwelchen für diesen Zweck brauchbaren Aeußerungen zu veranlassen? 3

Jawoll!'knallte der Unteroffizier heraus. Es klang stolz; ein triumphales Lächeln überstrahlte sein von einer Schläger narbe leicht entstelltes Gesicht.

So das wollte ich nur wissen. Es war mir charaktero- logisch wertvoll. Ich nahm an, mit einem anständigen Manne an einem Tische zu sitzen"

Bitte, keine Beleidigungen! unterbrach der Kommissar schroff und dann diktierte er einer Stenotypistin das Prof tokoll in die Maschine. Ich unterschrieb abermals, nachdem ich das Schriftstück, das unser beider Aussagen zusammenfaßte, in Ruhe überlesen hatte. Am Schlusse hatte der Unteroffizier ausgesagt, er habe diese Anzeige gemacht, um dem deutschen. Volke ein zweites 1918 zu ersparen.Das ist abermals eine Lüge, sagte ich, indem ich auf diesen Satz wies.Man pro voziert die Ursachen nicht, wenn man die unerwünschte Wir- kung vermeiden will. Kein Arzt impft einem Gesunden eine Lues auf, um ihn mit Salvarsan behandeln zu können, er sei denn geistesgestört oder ein Verbrecher.

Die Begründung ist Sache des Zeugen und geht Sie nichts an. Er hätte sie sich auch ersparen können, bemerkte den Kommissar.Unterschreiben Sie, damit wir endlich fertig wer den. Draußen wartet Ihr Sohn. Sie dürfen ihn ein paar Mie nuten sprechen.

Mein Junge, der eben aus dem Osten auf Urlaub gekommen war, wollte mir wohl ein paar Worte des Irostes sagen, sah aber bald ein, daß dies im Grunde unnötig sei.Du bist ja Philosoph genug, Vater, um auch mit einer solchen Lebens- lage fertig zu werden, sagte er gerührt, als er mir die Hand drückte.Die Mutter war natürlich zunächst ein wenig durch» einander, als ihr Walther Gilbricht die Nachricht von deiner Verhaftung brachte; aber jetzt ist sie schon wieder ganz mutig und gefaßt. Er berichtete kurz, was meine Frau erledigt wis» sen wollte und fragte, was weiter zu tun sei. Ich bat ihn, einen.

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