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Knast : Schatten und Gestalten einer Leidenszeit / von Johannes Berbig
Entstehung
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,, So", meinte ich, leicht erstaunt. ,, Das ist ja interessant. Er sprach doch damals davon, daß er in den nächsten Tagen wie­der an die Front gehen werde. Hat er's also doch nicht so eilig gehabt, wieder nach Rußland zu kommen. Oder ist er gar nur in Leipzig geblieben, um Zeugnis wider mich ablegen zu können?"

,, Sie verbessern Ihre Lage nicht dadurch, daß Sie gar nichts zugeben", sagte der Mann mürrisch. Wenn man ein Zuge­ständnis von Ihrer Seite hätte, gäbe die andere Seite von ihrer Aussage vielleicht auch etwas nach, und man könnte sich auf einen weniger verfänglichen Wortlaut einigen. Dann brauchten wir die Sache gar nicht erst an die Staatsanwaltschaft zu geben. Sie haben es wahrscheinlich gar nicht so böse ge meint; es wird ja allerlei gesprochen, was die Polizei nicht und es erfährt, weil es eben nicht zur Anzeige kommt gehört heutzutage im übrigen auch nicht viel dazu, um bei der Gestapo einzutrudeln."

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um

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,, So sagt man. Aber ich kann nicht belastende Redens­arten erfinden oder erfunden auf mich nehmen, nur Ihnen ein brauchbares Protokoll zu liefern. Das ist zu viel ver langt. Ich sehe der Entscheidung eines ordentlichen Gerichts mit Ruhe oder, wenn Sie so wollen, auch mit Unruhe entgegen. Auch ein Unschuldiger kann Pech haben und ver­urteilt werden. Das müßte ich eben tragen. Aber ich glaube nicht daran, daß mich ein ordentliches Gericht verurteilt." ,, Sie haben eine seltene Zuversicht", bemerkte der Kommis und ließ mich wiederum eine Stunde sar mit finsterer Stirn

lang allein in dem öden Zimmer.

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Dann also erfolgte die Gegenüberstellung...

Der Unteroffizier Fink trat mit einer bemerkenswerten Si­cherheit in diesen Räumen auf. Wie einer, der sich hier zu Hause fühlt.

, Wir haben den Zeugen noch einmal ausführlich befragt", so leitete der Kommissar das Verhör ein; ,, er bleibt bei seiner schriftlich niedergelegten Aussage."

,, Ich auch", sagte ich. ,, Ich bestreite nach wie vor, nach dem Abbruch des Gespräches über die Kriegslage auch nur ein Wort über militärische oder politische Dinge geäußert zu haben. Darf ich eine Frage an den Zeugen richten?"

,, Bitte!"