,, Nur keine Sorge. Es wird Ihnen alles vorgehalten!"
Ich nahm meine Mappe auf. Der Beamte schritt voran, durch schlechterleuchtete Gänge, um dunkle Ecken herum, zurück, dem Ausgange zu, dann plötzlich links eine halbe Treppe hoch. Vor einer schweren eisernen Tür blieb er stehen und drückte auf einen Klingelknopf. ,, Polizeigefängnis" stand in drohender Antiqua im oberen Felde der Tür.
,, Noch ein Zugang?" fragte eine grobe Stimme, nachdem sich die Tür einen Spalt geöffnet hatte.
,, Ihr kriegt heute noch eine ganze Wolke, Richard. Eddi is im Russenlager und holt noch ein halbes Dutzend Lagerführer ab."
, Was ham die denn ausgefressen?"
,, Schnaps, Tabak, Bohnenkaffee, mal' ne Armbanduhr das zwischen. Die schieben mit Franzosen, Holländern, Tschechen und Polen
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. ,, Das is doch nischt Neues! In Leipzig fließt bloß die Pleiße . Alles andere wird geschoben. Un' ihr denkt, wenn ihr die hier reinbringt
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,, Mache geen Gohl. Hier gommt Nummer 26714/42 unterschreibe!"
,, Wen haste denn da mitgebracht?" ,, Ganz feine Nummer. Leugnet bis Montag. Nachher wird er schon ein Protokoll unterschreiben."
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Die Tür tat sich etwas weiter auf. Ich betrat einen hallen artigen Raum. Dicht am Eingang stand ein riesiger Schreibtisch, an dem zwei Beamte arbeiteten. Einer von ihnen fuhr mich grob an:
,, Nehmse den Hut vom Koppe! Sie wissen wohl nich, was Anstand is?"
Ich gehorchte.
,, Da hinüber!" schrie mich der Mann abermals an. ,, Mit dem Gesicht nach der Wand!"
In drei Stockwerken liefen eiserne Galerien mit den Ein gängen zu den Haftzellen. Das Ganze machte eher den Eindruck einer Basilika als den eines Gefängnisses. Das Klirren von Schlüsseln drang von überallher. Auch Klangzeichen wurden so gegeben. Der Beamte am Schreibtische ließ zwei Schlüssel dreimal aneinanderklingen, und sogleich meldete sich im dritten Stockwerke eine Frauenstimme.
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