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Knast : Schatten und Gestalten einer Leidenszeit / von Johannes Berbig
Entstehung
Seite
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Ich fühlte mich angesprochen und folgte dem Beamten in einen Nebenraum, der eben so groß war, daß ein Tisch mit Reiseschreibmaschine und ein Verhörender Platz hatte.

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,, Sie heißen Geboren Name der Frau

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Beruf Vorbestraft

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Verheiratet Kinder

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Kriegsteilnehmer

So

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gar keiner

Freimaurer. Politische Zugehörigkeit Partei haben Sie angehört. Was haben Sie denn da gewählt?" ,, Gehört das ins Befragungsprotokoll? Soweit mir bekannt ist, ist die deutsche Reichsverfassung noch nicht aufgehoben worden, und in der ist festgelegt, daß wir geheime Wahl haben."

,, Ich würde sonst nicht fragen! Sehen Sie nicht, daß alles vorgedruckt ist?"

,, Dann sollen Sie das auch ganz genau erfahren: Ich habe gar nicht gewählt!"

,, Sie sind nie zur Wahlurne gegangen?"

,, Doch, aber ich habe stets einen weißen Zettel hinein­gesteckt."

Der Beamte schrieb. Er schrieb ein paar Bogen voll. ,, Hierher den Namen!" sagte er endlich.

,, Ich darf doch durchlesen, was ich unterschreibe?" ,, Wenn's nicht zu lange dauert bitte!"

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Aus dem Schriftstück erfuhr ich, daß ich angeklagt sei, staatsgefährliche Aeußerungen getan zu haben, geeignet, die Wehrkraft des deutschen Heeres und die seiner Verbündeten zu schwächen und zu zersetzen.

.""

Geben Sie das zu?"

,, Nein."

Der Beamte schrieb abermals etwas in seine Maschine. ,, Hierher Ihren Namen!"

Ich las: Nachdem dem Verhafteten sein Verbrechen im Sinne der§§ 1 und 2 des Heimtückegesetzes vorgehalten wurde, erklärte er, unschuldig zu sein. Er bleibt bei dieser Aussage.

Ich unterschrieb schweigend.

, Wann werde ich erfahren, was man mir zur Last legt?" Der Beamte lächelte. Es sollte wohl ein beruhigendes, ein wohlwollendes Lächeln sein. Vielleicht war es auch ein be dauerndes, ein mitleidiges Lächeln. Es war schwer, in seinem starren Gesichte zu lesen.

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