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Zwei Erzählungen / Stephan Hermlin
Entstehung
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und an eine künftige Schönheit glaube, könne man sich der nützlichen Teilnahme an der Gegenwart nicht entziehen.

Als wisse Tsu um alles, was Reichmann widerfahren war, hatte er von der Vergangenheit gesprochen. Da­bei hatte man ihm niemals Fragen nach dieser Vergangen­heit gestellt. Wie in stummem Einverständnis über­wand man das unbegreifliche Gewesene durch tägliche Tätigkeit. So verlor die Zeit immer mehr alle inneren Grenzen und Maße. Reichmann lebte ohne Angst, ohne Sehnsucht, ohne Zweifel. Er arbeitete und beobachtete. Die Rätsel, die seinen Weg nach Yenan begleitet hatten, beunruhigten ihn nicht. Er wußte um das Gestern, ohne seiner in Unruhe zu gedenken. Mit Eifer ging er einer neuen Arbeit nach: Feng unterrichtete ihn täglich in der Sprache und Schrift des Volkes.

Er liebte es auch, vor der Stadt zu sitzen und ins Land zu sehen, neben einem Grabhügel, an dem noch ein Brandopfer schwelte. Dann war das Treiben der Men­schen hinter die Grenze des Sichtbaren gerückt und doch allgegenwärtig.

Am Tage nach dem ersten Herbstregen gellten Gongs durch die Straßen. Reichmann, vor einem Buch sitzend, schaute auf. Menschen eilten schweigend, geduckt vor­bei. Über dem Schreien der Gongs füllte ein langes, schmelzendes Schluchzen den Himmel. Er stürzte hin­aus: vom abendlichen Horizont, an dem der Wind die Wolken auflöste, rauschten die schwarzen Reiherzüge der japanischen Flugmaschinen heran. Als er ins Haus zurückgehen wollte, traf er Feng, der ihn ohne ein Wort an der Hand nahm und ihn die Straße hinabzog. Die ersten Bomben fielen noch ziemlich weit im Süden.

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