überquerte einen Bach, ein eiliges, dunkles Wasser, aus dem kein Stein leuchtete. Eine hohe, hölzerne Brücke spannte sich darüber und half dem Weg weiter. War ihm nicht diese Brücke bekannt und die beiden Götterlampen, die rechts und links das Geländer schmückten? Reichmann wußte in diesem Augenblick, daß er gerettet war, und im gleichen Moment sah er einen Mann.
Er stand am anderen Ende der Brücke, als habe ein Windstoß ihn plötzlich hergeweht mit dem Lehmstaub, der über die Planken rieselte. Der Mann war alt und sah wie ein Bauer aus. Über der bloßen, mageren Brust hing eine dünne blaue Jacke; schmutzige Hosen fielen auf die breiten, nackten Füße. Er trug ein Joch über der Schulter, wie Reichmann es noch nicht gesehen hatte, und der Maler ertappte sich dabei, daß er es im Geiste mit dem Joch verglich, mit dem die Bauern in der fränkischen Heimat zu pflügen gewöhnt sind. Der Bauer stand unbeweglich im Schatten der Brücke und sah ihn an. Reichmann wußte, daß er wirklich dort stand mit den schwarzen, schrägen Augen im gelben Gesicht. Er fürchtete sich nicht. Mit einigen schnellen, behutsamen Schritten überquerte er die Brücke und stand vor dem anderen. So nahe stand er bei ihm, daß er das vogelhafte, zarte Schlagen der dünnen, rauchfarbenen Schläfen sehen konnte, das Gitterwerk zahlloser Runzeln, die weißlichen, dünnen Strähnen des Bartes, der über die Mundwinkel nach unten fiel. Er versuchte nicht zu sprechen; er wußte, daß der andere ihn nicht verstehen konnte. Vielmehr verneigte er sich vor ihm, ohne daß er vorher daran gedacht hatte, und nahm ohne Überraschung die Ver
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