von außen fiel. Er überlegte und schalt seine Schlaftrunkenheit. Schließlich stand er auf und verließ den Waggon. Die Nacht war von einer unirdischen Dunkelheit. Kein Anzeichen von Leben war ringsum, nur der Wind strich ab und zu durch die Landschaft und fing sich in den unsichtbaren Bäumen. Reichmann stieß einen Ruf aus. Nicht einmal ein Echo antwortete ihm. Er hätte in den Waggon zurückkehren können, um die Dämmerung abzuwarten, aber eine Art Trotz ließ ihn weitergehen, geradenwegs in das Dunkel hinein.
Er blieb nach ein paar Schritten in der Finsternis stehen, die seine Spuren tilgte. Zum erstenmal seit undenklicher Zeit fühlte er sich frei von Furcht- verlassen, doch nicht verloren. Nur der Wind war um ihn, der Wind, der wie ein Tier voranlief, umkehrte und an seinen Knien entlangstrich, wenn er ihn überholte. Ein paarmal wich er noch rechtzeitig Bäumen aus, die in der Nacht standen, nicht unvertraut und ohne Drohung. Einmal vernahm er das traumhaft- kehlige Geräusch fließenden Wassers. Unter seinen Füßen spürte er kurzes Gras, eine Strecke weiter einen unebenen Pfad. Er hätte noch Stunden weitergehen können, keine Müdigkeit war in ihm, aber er hatte keine Eile. Die Nacht war von einer unbeschreiblichen tröstenden Wachheit. Irgendwo setzte er sich nieder und lehnte den Rücken an einen Stamm. Sein geängstetes Herz schlug beruhigt und regelmäßig. So wollte er den Morgen erwarten.
Er war in tiefen Gedanken, als der eintönige Ruf eines Vogels ihm zum Bewußtsein brachte, daß die Nacht zu Ende war. Er lauschte bewegt dem ruhigen, fremdartigen Ruf. Aus der Ebene, die hinter ihm lag,
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