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Zwei Erzählungen / Stephan Hermlin
Entstehung
Seite
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wie es geschah, war die fahle Glut dem Abend ge­wichen, mit brandigem Horizont, aufstrahlenden Bo­genlampen, die jeden Quadratmeter des Geländes auf­merksam bewachten, mit der Suppe, die man, an die Wand gelehnt, gierig schlürfte, und der Blechdose Wasser, die man sich vom rostigen Kran holte.

Die Nacht brach herein, eine Nacht ohne Kühle und Stille unter dem harten Licht der Bogenlampe und den trüben Barackenlichtern, die nicht erloschen. Während der letzte Schein des Tages dahinschwand, war Reich­mann durch das Lager gewandert. Die Menschen stan­den in Gruppen zusammen, sprachen überlaut und mit weitausholenden Gebärden, als müßten sie sich über Berge hinweg miteinander verständigen. Schrilles Ge­lächter, Kinderweinen, Aufschreie hingen wie eine Wolke aus Elmsfeuern über den Dächern. Junge Mäd­chen spazierten Arm in Arm wie in den gepflasterten Straßen der heimatlichen Kleinstadt und summten die ersten Takte eines Schlagers, wenn sie an den Burschen vorbeizogen. Überall lächelte man, während in den Augen die Panik flackerte. Reichmann glaubte plötz­lich, in einem Wirbel des Entsetzens das gleißende Lä­cheln von tausend Gebissen zu sehen und Tausende von Augen, die der Schrecken langsam auslöschte. Er flüchtete nach der Rückseite des Lagers, wo eine breite Lücke in den Palisaden dem Blick über schräg ab­fallendes Gelände Raum gewährte. Hier gab es nur wenige, unbewohnte Baracken. Rostiges Gerät, halb im Sand versunken, hatte das Aussehen von Strand­gut und ließ den Geist williger in die Vorstellung ein­treten, da unten, jenseits des Stacheldrahts, liege ein ruhiges, nun sich verdunkelndes Meer. Irgendwo pfiffen

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