staubgeschwärzte Gärten, rostige Geleise, die zusammenrannen, sich wieder trennten, Weichen aufwarfen, sich vervielfachten. Am Ende der Welt, dachte Reich
mann.
Das Bahngelände zog sich von der Landstraße zurück. Ein massiger dunkler Komplex verdeckte es völlig: meterhohe Palisaden umschlossen von vier Seiten her lange, geteerte Dächer, die sich, von Unebenheiten des Bodens begünstigt, hier und da zeigten. Der Wagen verlangsamte die Fahrt. In den Palisaden, die der Straße zugekehrt waren, wurde ein Tor sichtbar, vor dem Uniformierte lungerten. Schwere Wagen waren einige Meter weiter zusammengestellt: Polizeiautos und langgestreckte, bunte Autobusse, wie man sie zu Vergnügungsfahrten verwendet.
Sie fuhren noch langsamer. Der Chauffeur schien die Breite der Straße abzuschätzen. Keiner sprach, aber alle Augen hingen voller Qual, Haß und Hoffnung an dem näher kommenden Tor. Ein Gendarm stand auf, kam auf Reichmann zu und beugte sich zu ihm hinab. Der Maler starrte in seine Augen, diese bebende, trübe Gallerte, auf der Äderchen wie eine Morgenröte schwammen. Der Mann bewegte die Lippen, und Reichmann hörte, wie er durch die Zähne stieß: ,, Fliehen Sie! Keiner von uns wird schießen!" Reichmann kehrte seinen Blick nicht von ihm ab. Aus dem Augenwinkel sah er gleichzeitig, wie der Wagen dem Tor entgegenschaukelte, wie die müßigen Hüter sich den Ankömmlingen zuwandten. Mit Schauder und Wollust fühlte er, daß er in diesem Moment nur einen Wunsch hatte: hinter dem Tor zu verschwinden, einzugehen in das unbekannte Reich der schwarzen
34


