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Zwei Erzählungen / Stephan Hermlin
Entstehung
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einer Kuchenschachtel erhob sich ein kleiner Hügel runder, gerippter Handgranaten.

Guten Tag, sagte Reichmann und setzte hilflos auf französisch hinzu:Ich störe doch wohl nicht... In diesem Augenblick flog draußen krachend der Benzin- tank in die Luft. Der ältere und größere der beiden Männer zog mit einer Grimasse den Kopf zwischen die Schultern.

Na also, sagte er zu dem Kleineren. Er wandte sich halb nach Reichmann um.Franzose?

Reichmann nickte. Er fühlte sich zu müde zum Er- klären. Obwohl die Fenster halb verdeckt waren, er- füllte die gleiche schweflige Glut Zimmer und Straße. Der Kleinere, barhäuptig, im Monteuranzug, winkte ihn heran und trat ein wenig beiseite. Reichmann blickte kurz auf den zerfetzten Wagen hinab, über dem jetzt eine brausende, kaum sichtbare Flammen- fahne schlug.

Der Kleine im Monteuranzug wies auf die brennende Maschine und nickte mit vielsagendem Ernst:Der kommt auf unser Konto. Vier Tage haben wir auf ihn gewartet. Der andere sah Reichmann in die Augen: Falange. Mit einer falschen Diplomatennummer am Wagen. Mal in Figueras, mal in Gerona , mal hier.

Reichmann schwieg. Die Schreie, die Salven der Exe- kutionskommandos, die Aufrufe und Anklagen be- lebten plötzlich den geisterhaften Mittag, um in den Schluchten der Pyrenäen zu ersterben. Berichterstatter von den katalaunischen Feldern, fiel ihm ein, wer hat mich dazu bestimmt?

Der Kleine kauerte sich am Fenster zusammen und lauschte mit vor Anstrengung geblähten Halsadern.

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