ger nicht verbergen, sondern unterstreichen soll. ,, Machen Sie, daß Sie weiterkommen", pfiff er plötzlich durch die Zähne, und einer erneuten Beteuerung seines Notstands seitens des Malers kam er durch die nochmalige schroffe Aufforderung zum Weitergehen zuvor: ,, Hauen Sie ab, Herr, ehe ich mich ärgere! Allez- y, circulez!" Der Beamte faßte den Dachfirst des gegenüberliegenden Hauses ins Auge, während Reichmann, die hinter ihm aufklingende Lache noch im Ohr, blind vor Scham und Angst den Boulevard hinabtaumelte. Er erreichte die Rue de La Harpe und blieb, nach der nächsten Wand greifend, einen Moment aufatmend stehen. Die Straße brütete, tausend Abfallgerüche hingen wie ein verwesungfarbener Schleier zwischen den schiefen Fassaden, magere Katzen strichen langsam durch die Gossen, vor den arabischen Cafés standen dunkelblickende Männer. Als Reichmann in die Moderluft des Treppenhauses einbog, das er durchqueren mußte, um in seine Wohnung zu kommen, blieb er noch einmal erleichtert stehen. Auch hier war nicht der leiseste Luftzug zu spüren, doch nach dem strömenden Gelb, das überall da draußen wie flüssiges Feuer herabregnete, tat das Halbdunkel den schmerzenden Augen wohl.
Reichmann lehnte die Wange an die verschmutzte, abgestoßene Wand, an der obszöne Kreidezeichnungen leuchteten. In den Vertiefungen der ausgetretenen Stufen lief die Finsternis wie die dunkelschäumende Spur Tausender von verlorenen Schicksalen zusammen. Auf dem ersten Treppenabsatz warf er gewohnheitsmäßig einen Blick in die Loge der Concierge. Die Alte war nicht da. Nur ihr gelber Kater blinzelte schmal
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