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Zwei Erzählungen / Stephan Hermlin
Entstehung
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ger nicht verbergen, sondern unterstreichen soll. ,, Machen Sie, daß Sie weiterkommen", pfiff er plötzlich durch die Zähne, und einer erneuten Beteuerung seines Notstands seitens des Malers kam er durch die noch­malige schroffe Aufforderung zum Weitergehen zuvor: ,, Hauen Sie ab, Herr, ehe ich mich ärgere! Allez- y, circulez!" Der Beamte faßte den Dachfirst des gegen­überliegenden Hauses ins Auge, während Reichmann, die hinter ihm aufklingende Lache noch im Ohr, blind vor Scham und Angst den Boulevard hinabtaumelte. Er erreichte die Rue de La Harpe und blieb, nach der nächsten Wand greifend, einen Moment aufatmend stehen. Die Straße brütete, tausend Abfallgerüche hingen wie ein verwesungfarbener Schleier zwischen den schiefen Fassaden, magere Katzen strichen lang­sam durch die Gossen, vor den arabischen Cafés stan­den dunkelblickende Männer. Als Reichmann in die Moderluft des Treppenhauses einbog, das er durch­queren mußte, um in seine Wohnung zu kommen, blieb er noch einmal erleichtert stehen. Auch hier war nicht der leiseste Luftzug zu spüren, doch nach dem strömenden Gelb, das überall da draußen wie flüssiges Feuer herabregnete, tat das Halbdunkel den schmer­zenden Augen wohl.

Reichmann lehnte die Wange an die verschmutzte, abgestoßene Wand, an der obszöne Kreidezeichnungen leuchteten. In den Vertiefungen der ausgetretenen Stufen lief die Finsternis wie die dunkelschäumende Spur Tausender von verlorenen Schicksalen zusammen. Auf dem ersten Treppenabsatz warf er gewohnheits­mäßig einen Blick in die Loge der Concierge. Die Alte war nicht da. Nur ihr gelber Kater blinzelte schmal

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