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˜Eineœ Fuhre Holz / Wolfgang Langhoff ; Einband und Illustrationen: Georg McKing
Entstehung
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aussahen wie ein Häufchen verängstigter, flügel­schlagender Vögel. Es waren Bauernbuben aus der Umgebung, im Alter von zehn bis zwölf Jahren, klein von Wuchs wie der ganze Menschenschlag dieses kargen Landstriches, hatten sehnige, rote Gesichter, strohgelbe Haare, niedere, ein wenig verschlagene Stirnen, unter denen helle, blaue Augen furchtsam auf die Gefangenen schauten, auf die bewaffneten SS - Männer, auf das stacheldraht­umzäunte Lager.

Der Geistliche rief sie aus seinem Wagen zu sich heran und sprach mit ihnen. Danach schritten sie langsam, die Köpfe gesenkt, auf den Wagen mit dem Sarg zu, kletterten auf die Plattform, setzten sich, der eine rechts, der andere links vom Sarg, der dritte mit dem hohen Stabkreuz vorne nieder, und mit einem Ruck, der alle durcheinanderschüttelte, fuhr die Feldbahn ab.

Traurige Fahrt ins Moor! Ratternd, knatternd sprangen die Räder über die Verbindungsstellen der verrosteten, schmalen Schwellen, schrill pfiff die Lokomotive einen Klagelaut in den Wind, rat­ternd, knatternd schob sich die Schlange ins Feld.

Vorn schnitt hoch und schwarz das Stabkreuz in den jagenden Aprilwolkenhimmel, der sich an­schickte, mit unzähligen Regenschauern das er­frorene Wintermoor zu erwecken. Holpernd, stol­pernd, hopsend glitt der rohe, ungehobelte Sarg über die dunkle, stöhnende Erde, die sich nackt und aufgerissen in glänzendem Schwarz und feuch­tem Braun der Gewalt des Himmels ergab. Faule,

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