stutzten. Solche Unterbrechungen im normalen Tageslauf bedeuteten gewöhnlich nichts Gutes. Die Löffel flogen in die Eßnäpfe, Vermutungen wurden laut über Strafarbeit am freien Samstagnachmittag oder über andere Schikanen, und die gewohnheitsmäßigen Propheten unter den Gefangenen hatten allerorten zu tun.
Die Nachricht aber, die die zurückgekehrten Stubenältesten mitbrachten, hatte keiner vorausgesagt. Sie gaben folgende Anordnung des Kommandanten bekannt:
Heute, Samstag nachmittag, zwei Uhr, solle der Tote aus der Arrestbaracke beerdigt werden. Eine jede Baracke habe zu diesem Begräbnis sechs Mann zu stellen, die mit der Feldbahn den Sarg ins Moor zu begleiten hätten, wo die Beerdigung stattfinde. Die Meldungen zur Beteiligung seien freiwillig. Antreten viertel vor zwei Uhr am Lagereingang.
Hätten die Stubenältesten berichtet, der Kommandant habe in einer menschlichen Anwandlung für jeden Mann im Lager eine tägliche Fleischzulage beschlossen, die Gefangenen würden es eher geglaubt haben als diese Anordnung. Sie sprangen von ihren Bänken, schrien erregt durcheinander, packten sich bei den Armen, und für die nächsten Minuten konnte keiner des anderen Stimme verstehen.
Die Vorstellung, der Kommandant könnte einer Regung von Anstand, Pietät oder Gewissen nachgegeben haben und den Gefangenen ein Trauer
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