flüsterte, als verändere der ständig seine Züge. Immer war es wieder ein anderer, wenn er genau hinsah. Einmal war es seines Vaters Gesicht, das ihn fragend anstarrte, einmal seines Bruders Gesicht, dann seines Freundes Gesicht, das Gesicht eines Bekannten von der Straße und dazwischen wieder sein eigenes Spiegelbild, das ihm zunickte. Zur wandernden Reihe dieser Gesichter sprach er in seiner grenzenlosen Verlassenheit, immer drängender, erhitzter, immer verzweifelter, bis sich der Schlaf seiner erbarmte und mit kühler Hand die Bilder verhüllte...
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Wie weiße, blinkende Glaskugeln rollen die Tage dahin in der Freiheit. Eine gleicht der andern, und der Mensch, der sie durch seine Hände gleiten läßt, vergiẞt oft, sie zu zählen so sehr gleichen sie einander und nur, wenn ab und zu in der weißen Kette die rote Kugel eines Feiertages, eines Todes, einer Liebe, einer Geburt erscheint, hält er verwundert inne, blickt auf und denkt: Schon wieder so viele Tage vorüber, die ich nicht beachtet habe. Die Zeit vergeht.
Anders laufen die Tage durch das Leben des Gefangenen. Er dreht und wendet die kostbare Kugel in seinen Händen, drückt sie verzückt an sein hungriges Herz, er liebt sie, er verflucht sie und zählt sie. Zählt sie mit Inbrunst und Hoffnung, Haẞ und Verzweiflung, zählt sie wie der Geizige seine Goldstücke zählt und häuft sie auf in der Kiste seiner Erinnerung. Vierundzwanzig Stunden können ihm Jahre bedeuten, jede Stunde davon Jahre.
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