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Sturz ins Dunkel / Hermann E. Riemer
Entstehung
Seite
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Was meinst du? fragte er mich,Hermann Campe, der Schutzhaftlagerführer, hat mich vorhin angesprochen. Na, Christmann, hat er gesagt, immer noch am Leben? Da müssen wir wohl ein bißchen nachhelfen, wie? Was soll ich nun davon denken? Ob sie michjetzt, nach so langer Zeit, noch hängen werden?

Ich redete ihm den Gedanken aus und versuchte ihn zu trösten. Aber wenige Tage später, ich glaube, es war am 8. November, vollendete sich sein Schick- sal dennoch. Wir rückten zum Appell ein und fanden

‚auf der zweiten Terrasse einen Galgen aufgebaut.

Nun mußte das ganze Lager mit dem Blick auf die Hinrichtungsstätte antreten. Christmann, der aus mehreren Wunden am Kopfe blutete, wurde gefesselt zum Galgen geführt. Er war bleich, aber ruhig. Manchmal lächelte er sogar. Kühl streiften seine Augen den Sarg, neben den man ihn gestellt hatte. Schließlich erschienen der Kommandant, der Arzt, Rapportführer und andere SS -Chargen. Der Kom- mandant nahm die unvermeidliche Zigarre aus dem Mundwinkel und hielt folgende Ansprache:Ihr wißt

alle, daß es verboten ist, sich der Haft durch die

Flucht zu entziehen. Außerdem ist es sinnlos, denn wir fangen jeden wieder ein, früher oder später. Und jeder verliert sein Leben. Ich habe euch antreten lassen, damit ihr seht, daß wir keinen Spaß kennen, ob es sich um Deutsche, Russen, Polen oder andere handelt. S

Er gab dem Henker, einem zu diesem fürchter- lichen Werke gepreßten Häftling, einen Wink und

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