unser Leid vergaßen und uns wieder als Menschen fühlten.
Er besaß ein außerordentlich fein ausgebildetes Ge. fühl für Lagersituationen und wußte genau, daß seine Tage auf dem Posten, den er innehatte, gezählt waren, weil die andauernden kleinen Differenzen mit dem Bauleiter einmal zu seinem Sturz führen mußten. Dem kam er zuvor, indem er mir freiwillig seine Stellung überließ und eine andere Arbeit übernahm, wo er den Angriffen des Baugewaltigen weniger ausgesetzt war. Von nun an arbeitete ich allein. Aber ich war bei Heinz Kissel in eine gute Schule gegangen, und das lohnte sich jetzt.
Täglich hatte ich für das Offiziers- und Unteroffizierskasino die Speisetafel zu schreiben, kam also ebenso oft in die Küche. Wenngleich mir der SSKüchenchef auch nicht gewogen war, so erhielt ich doch hin und wieder vom ersten Koch, einem Häftling, der sich auf sein Fach wirklich verstand, etwas Essen zugeschoben, was allerdings streng verboten war. Diese Manipulation vollzog sich folgendermaßen: Ich besaß einen Margarinekarton, in dem sich eine Blechschüssel befand. Den Karton stellte ich harmlos im Vorraum nieder, nahm die Speisetafel ab und verschwand damit. Nach einer halben Stunde hängte ich die mit dem neuen Speiseplan versehene Tafel wieder auf, klemmte den Margarinekarton recht harmlos unter den Arm und wanderte in meine Werkstatt, um erst einmal ausgiebig zu dinieren. Eines Tages nun fand ich an meinem Platz schon einen Margarinekarton und glaubte zuerst, ich hätte einen
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