kürzt wurden. Davon wurden dann Bratkartoffeln und Soßen hergestellt, an denen sich der Blockälteste gütlich tat. Er sah ja auch nicht schlecht aus. Damals war er gerade vier Jahre im Lager und man konnte wirklich nicht behaupten, daß diese Jahre ihm schlecht bekommen seien. Er war groß und breitschultrig und hatte einen Gang wie ein Waschbär. Ich kann nicht sagen, ob er wirklich stark war, denn alle die, welche seine Faust zu spüren bekamen, waren nicht in der Lage, sich zur Wehr zu setzen, wollten sie nicht als Meuterer ihr Leben verlieren. Und diese Situation hat er weidlich ausgenutzt. Er war von Beruf Arzt und das war für die meisten ihm Unterstellten geradezu ein Unglück, denn er verhinderte allzuoft, daß ein Kranker zum Sanitäter oder zum Arzt ins Revier kam. Man mußte schon ein ihm sympathisches Gesicht haben, wollte man das erreichen. Die Regel sah so aus: Meldete sich jemand krank, dann fühlte er ihm den Puls oder er besah sich die Wunde. Günstigenfalls meinte er dann: ,, Du bist ja verrückt! 390 Fieber und damit willst du zum Arzt? Wir sind mit 40° zur Arbeit ausgerückt. Hau ab!" Das waren die harmlosen Fälle. Zumeist endeten die Krankmeldungen damit, daß der Patient ein paar Ohrfeigen bekam und zur Arbeit taumelte, bis er irgendwo zusammenbrach und ins Revier oder auch gleich ins Krematorium getragen
wurde.
Auf Kameradschaftsdiebstahl stand nach einem ungeschriebenen Lagergesetz die Todesstrafe. Das war furchtbar hart, aber notwendig und letzten Endes
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