Übrigens waren es gerade die harmlos erscheinen- den Stehkommandos, die eine hohe Zahl von Opfern forderten, vornehmlich in den Wintermonaten. Die Leute durften sich nicht bewegen, froren, bekamen Lungenentzündung und starben, da sich niemand ihrer annahm. Aber auch Füße und Hände litten sehr unter der Kälte, und manch einer hat einen Finger nach dem anderen, eine Zehe nach der anderen verloren. Man unternahm grundsätzlich erst dann etwas gegen diese Erfrierungserscheinungen, wenn das betroffene Glied amputiert werden mußte. Viele hundert sind so für ihr ganzes Leben zu Krüppeln gemacht worden. Am nächsten Tage wurde ich dem sogenannten Schuhlaufkommando zugeteilt. Das war eine sonder- bare Angelegenheit, aber es war eines der besten Lagerkommandos, denn man war dabei den wenig- sten Schikanen ausgesetzt. Jeder erhielt ein Paar Schuhe verpaßt, das seiner wirklichen Fußgröße ent- sprach, und diese Schuhe mußtengelaufen werden. Man probierte auf diese Art die verschiedensten Sohlenersatzstoffe aus, über jedes Paar wurde'ge- nau Buch geführt. Die Sache selbst wurde auf dem Appellplatz gestartet. Rings um den Platz zog sich eine Laufbahn, die sämtliche denkbaren Straßenarten aufwies. Kopfpflaster wurde abgelöst von einem Stück Asphaltdecke, Sandboden, Betonstraße, Kiesweg, Kleinpflaster und so weiter wechselten miteinander ab. Und auf dieser Bahn trudelten wir morgens und nachmittags je achtzehn Kilometer ab. Mir machte die Sache verhältnismäßig viel Spaß, denn ich war gut auf den Beinen und konnte dabei wenigstens 4 49