Gewiß entwickelte sich die staatliche Organisation des Macht- Wahns nicht von ungefähr im deutschen Raum. Bestimmte massenpsychologische Einflüsse zeigten sich in ihr wirksam, so daß
tiker, der Anonymus Jamblichi, von der Entstehung des fürchter-
lichen Uebels der Tyrannis sagt:
„+... Manche Leute, die nicht richtig überlegen, sind der Mei- nung, daß sich ein Tyrann aus anderen Gründen erhöbe und daß die Menschen ihre Freiheit verlören, ohne selbst daran Schuld zu sein, weil sie von dem aufgetretenen Tyrannen vergewaltigt wür-
den. Aber da sind sie im Unrecht. Denn wer glaubt, daß ein König
oder Tyrann aus einem anderen Grunde aufkomme, als infolge
von gesetzlosen Zuständen und dem Ehrgeiz, mehr als andere sein
zu wollen, der ist ein Tor... denn, wie könnte auf anderem Wege
die Alleinherrschaft auf einen einzigen Menschen übergehen, als dadurch, daß das Gesetz hinausgejagt ist, das zum Heile der Volks gemeinschaft herrschte? Denn es muß ja der Mann, der das Recht
umstürzt und das Gesetz, das allen gemeinsam und förderlich ist,
aufhebt, aus Stahl sein, wenn er die Kraft haben soll, diese Grund-
pfeiler der Menge der Menschen zu rauben, er, der eine Mann,
den vielen,”')
„Titanen und Halbgötter'?—
„Mit Göttern soll sich nicht messen
Irgend ein Mensch. Hebt er sich aufwärts
Und berührt Mit dem Scheitel die Sterne, Nirgends haften dann die unsichern Sohlen,
Und mit ihm spielen Wolken und Winde.” An diese Grenzen der Menschheit, wie sie Goethe umschreibt, ist der Mensch gelangt. Er hat es nicht gewußt und nicht gespürt.
Körner
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