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Leben auf Widerruf : Begegnungen und Beobachtungen im K. Z. Dachau 1941 - 1945 / Joseph Joos
Entstehung
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DEUTSCHE ÜBERSETZUNG

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Die unglücklichen Deportierten, die gegen Ende 1943 in das KZ Dachau kamen, wurden in der Registratur des Reviers zum Zwecke der Anlage ihrer Krankenakte von einem älteren Kame­raden empfangen, der ihnen durch seine Güte und seinen frohen Sinn auffiel.

Zuweilen, wenn einer gar zu ausgehungert aussah, hatte dieser Kamerad hinter einem Stoß ,, Akten" ein kostbares Stück Brot für ihn bereit.

Er ging und kam durch die Alleen dieses verhängnisvollen Lagers von Dachau , einen Krankenakt unterm Arm, sein Alibi für alle Fälle. Tatsächlich brachte er Neuigkeiten von draußen, die ihm auf sichern und gefährlichen Wegen zugegangen waren.

Er war in gleicher Weise Freund aller, der Polen und der Tsche­ chen , der Jugoslaven und der Holländer, der Italiener und der Belgier. Ich füge hinzu, daß er eine besondere Zuneigung für die Franzosen bewies, und daß die deutschen Priester von Block 26 ihn wie einen der ihrigen betrachteten.

In Wirklichkeit war er

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Vater einer kinderreichen Familie und seit vielen Jahren auf dem Gebiete des sozialen Katholizismus tätig bemüht, in diesem höllischen Milieu Tag für Tag das Ideal der Nächstenliebe zu verwirklichen, das ihn, als treuen Schüler Kettelers, sein ganzes Leben hindurch bewegt hat.

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So erschien uns der Verfasser dieses Buches, unser Freund Joseph , Joos , der schon Jahre vor uns in das KZ Dachau ver­bracht war, weil er dem Nazisystem moralischen Widerstand ent­gegensetzte.

Es gibt keinen Franzosen des Lagers Dachau , der nicht für Vater Joos ein herzliches und dankbares Andenken bewahrt hätte.

Ich betrachte es als meine Pflicht, dem vorliegenden Rückblick auf Dachau dieses Zeugnis hinzuzufügen. Und indem ich es tue,

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