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Leben auf Widerruf : Begegnungen und Beobachtungen im K. Z. Dachau 1941 - 1945 / Joseph Joos
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EIN UNERWARTETER AUSKLANG

,, So spricht der Herr: ,, Ich denke Gedanken des Friedens, nicht des Verderbens: Ihr werdet zu mir rufen, und ich werde Euch erhören. Heimführen werde ich Euch aus der Gefangenschaft von überall her."( Ps. 84.)

März und April 1945. An der kümmerlichen Rosenhecke, die sich am Stacheldrahtzaun hinter der Krankenbaracke festhält, zeigen sich die ersten Blättchen. Was lag nicht alles in der Luft! Wenn am Sonntag nachmittag der deutsche Heeresbericht am großen Lautsprecher auf dem Appellplatz durchgegeben wurde, sammelten sich schon etwas aufgeregte Scharen von Häftlingen. Man mußte auf der Hut sein, im Gespräch, in Miene und Gebärde. Die Spitzel des SD Bach standen zwischen den Reihen. Kundige hörten natürlich auch das heraus, was im Bericht verschwiegen

war.

Diese Kundigen im Lager hatten andere Berichte, nur durfte man, nicht einmal leise, davon sprechen. Nur Gewisse hörten regelmäßig und gaben es auch nur an Gewisse weiter. Bei stei­gender Nervosität suchten der Rapportführer Böttcher und Bachs Gesellen auf den Blöcken und im Revier nach geheimem Emp­fangsgerät. Unsinn! Das gab es nicht. Das brauchte man nicht. Die in den SS - Büros vorhandenen Radioapparate genügten voll­kommen. Und jeden Abend wußte man genau, was London ge­meldet hatte.

Die sich häufenden Luftangriffe, zahlreicher und wirksamer werdend von Tag zu Tag, waren nicht mißzuverstehen. Jede Nacht Alarm und buntes Feuer über München und anderswo. Jede Nacht Luftangriff und Bombardement. Eine eigentliche Angst für das Lager und für uns hatten wir nicht. Wenn auch die Ba­racken bebten und wankten von den Einschlägen in Münchens

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