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Leben auf Widerruf : Begegnungen und Beobachtungen im K. Z. Dachau 1941 - 1945 / Joseph Joos
Entstehung
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Umgebung. Wir wußten und sahen es in der Nacht, wenn sie mit Leuchtkugeln das Lager absteckten, daß sie uns schonen wollten. Eine einzige Brandbombe hatte sich in den oberen Teil des Schub- raums verirrt und ihn in Brand gesetzt, wobei unsere Kleider verbrannten. Das war alles.

Nun aber flogen die Silbervögel in gewaltigen Schwärmen schon bei hellichtem Tag ein. Niemand hinderte uns zu sehen, zu staunen. Keiner kontrollierte die freudig gestimmten Gemüter und die bereits sachte ansteigende Lust zu offener Demonstration. Die Splittergräben zum Schutze der Häftlinge waren längst zu- geschüttet. Seitdem schnelle Amerikaner bis auf die Lagermauern herunterstießen und die Wachttürme der SS anknabberten, rech- nete man mit Luftlandung. Wir waren also weit genug. Jetzt hieß es aufpassen. Die letzte Führerbesprechung erörterte bedrohliche Liquidierungspläne. Wir waren gewarnt. Und jeder von uns legte sich seinen eigenen Plan zurecht für den Fall X. Da änderte sich für uns das Bild über Nacht.

Wir schrieben den 23. April. Gegen Mittag war ein Läufer von

der Lagerschreibstube gekommen mit der Weisung:Sofort deine Sachen packen. Du kommst fort!Ich?, Ja. Um.2 Uhr

mußt du im Arbeitseinsatz sein.

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Hm, im Arbeitseinsatz, fragen wir den Metzer Berufskollegen, der dort sitzt.Wie ist das? Weißt du was?Ja, es stimmt. Kann dir im Vertrauen sagen: du nicht allein. Eine Reihe von Persönlichkeiten wird fortgeschafft.- ,Wohin?Wir wissen nichts genaues. Man vermutet. Mit dir sind für heute Nachmittag bestellt: Prinz Leopold von Preußen und sein Ad- jutant Cerrini, der Prinz Xavier de Bourbon-Parme , der Ober- bürgermeister Schmitz von Wien und noch einige. Es genügt um_ Ar Ohm 2

So, das ließ sich hören.

Die Kleiderkammer hatte Befehl:Gute Sachen! Wir hatten bald ausprobiert.

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